Ausstellung in Pulsnitz mit Werken von Gudrun Otto und Freya Ritter

Erstellt: Samstag, 05. April 2014 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014 Geschrieben von Martin Schmidt

Ausstellung in Pulsnitz lockt mit Bildern der Oberlausitz

Feierliche Eröffnung mit Flötenspiel und einer Laudatio für Gudrun Otto von Martin Schmidt Das Geburtshaus des Bildhauers Ernst Rietschel in Pulsnitz vermochte kaum die Besucher fassen. Aus weitem Umkreis von Dresden bis Weißwasser, aus Bautzen bis Bischofswerda, aus Hoyerswerda und dem Lausitzer Seenland reisten Kunstfreunde an, um die Ausstellung mit Arbeiten von Gudrun Otto, Hoyerswerda, und Freya Ritter, Bischofswerda, zu sehen. Im Parterre entführt Freya Ritter mit Kohle- und Tusche-Gemälden gleichsam in die von E.T.A. Hoffmann oder Ludwig Tieck erzählten Welten der Romantik, lassen Lebensräume, schemenhaft auch Gestalten ihrer Bücher erahnen. Diesen Eindruck unterstützten zierliche Skulpturen auf Sockeln und Tischen in grotesken Haltungen und mit schalkhaften Gesten, die sich unter den Bildern auf Tischen oder Bänken präsentieren. Die Landschaften auf dunklem Grundton aus einer Vielzahl von Farbtönen von dunkelstem Schwarz bis zu hellstem Grau verlocken, Geschichten zu entdecken, die denen jener Romantiker an Märchenhaftem wie an Realität nicht nachstehen. Wer sich den Blättern anvertraut, findet sich Landschaften der Lausitz mit ihren Weidenstöcken, ihren Schwarzerlen, den weiten feuchten, von Gräben durchzogenen Wiesen mit Gräsern und Büschen gegenüber. Die Figuren dagegen – aus Stahl-Draht geformt, mit Papier umhüllt und dezent, in skurrilen Haltungen bemalt - wecken bei aufmerksamen Betrachtern allegorisch Szenen des Alltags: „Deutscher Vogel Strauß“, der den Kopf in den Sand steckt, die Schwanzfedern eitel gen Himmel gereckt; ein Mensch, „ In der Spirale der Angst“, die immer enger wird ; oder „Altes Paar“, das sich die starr ausgestreckten Arme gegenseitig über die Schultern legt. Da ist des Selbst-Entdeckens kein Ende.

Eine Treppe höher präsentiert die Galerie Arbeiten aus drei Jahrzehnten von Gudrun Otto. Die Malerin, die in Kindheit und Jugend ihrem Großvater Wilhelm Röttig, einem Maler zuschauen , auch selbst erste Übungen machen durfte, begegnete Flötenspiel Karoline Schulz, Dresden später in Koserow auf Usedom bei Otto Niemeyer-Holstein der Malkultur des zwanzigsten Jahrhundert in empfindsamster Weise. Dieser Meister und sein Werk wurden ihr Maßstab, an dem sie eigenes Schaffen bis heute misst. Anfang der sechziger Jahre förderte der Maler Heinz Sieger in Cottbus ihr handwerkliches Geschick, ehe sie ein Studium der Chemie absolvierte und 14 Jahre in diesem Beruf tätig war. Seither gehen bei Gudrun Otto Lernen und Malen Hand in Hand. Die Ausstellung zeigt 19 Arbeiten von 1996 bis zur Gegenwart. Blätter in Mischtechnik –Tusche und Aquarell – zeigen Situationen vom Dubringer Moor, einem Naturschutzgebiet nahe Hoyerswerda, dessen wildwüchsige Wiesen und Büsche sich im Winde beugen, während Raureif Lichter setzt. Braun, dunkles Grün und Gelb erhalten Lichter durch zarte Pinselstriche oder Punkte von Deckweiß. Dunkle verschlungene Waldwege führen durch jene unberührte Landschaft der Lausitz, das Licht spiegelt sich in kleinen Wasserläufen, die enge Wege begleiten. Der Besucher kann der Malerin zu den Braunkohle-Tagebauen folgen, jenen gewaltigen Eingriffen in die Landschaft, ebenso wie zu Tanzszenen und zu Trubel in Gaststätten Andalusiens oder in Mexiko. Er kann die flirrend kleinen Lichter von Dörfern in nächtlicher Landschaft Spaniens oder exotische Blüten entdecken. Die Malerin engt sich nicht auf eine Malweise ein, erprobt gelegentlich neue Ausdrucksmöglichkeiten, experimentiert wohl auch – wie Bilder „Winterwald“ oder „Tanz“ ahnen lassen. Fasziniert von tanzenden Kranichen ,die im Frühjahr und Herbst auf den Äckern der Lausitz rasten, entstehen Bilder und Karten, gleichsam Grüße freier Natur. Die Ausstellung zeigt manchen Wandel, beweist jedoch immer malerische Intension. „Das ist ein weites Feld“ würde der alte Briest bei Fontane sagen. Die Malerin verharrt an unterschiedlichen Orten unter wechselndem Licht, hält fest, was Augen und Herz erfreut. Ein Besuch in Pulsnitz schenkt Vergnügen, allein schon durch die einfühlsame Gestaltung der Ausstellung, die vielfältigen Anregungen, die Sabine Schubert, die bewundernswerte Mittlerin der Künste, bereit hält. Sie verlockt zum Gespräch mit den Malerinnen Freya Ritter und Gudrun Otto.

Bilder von Gudrun Otto aus drei Jahrzehnten Freya Ritter - Altes Paar Bilder von Freya Ritter mit der Skulptur "Bedrohte Art"

Gudrun Otto - eines ihrer vielen Bilder zu Kranichen Freya Ritter - Skulptur "Spirale der Angst" Freya Ritter - Deutscher Vogel Strauß Sabine Schubert, rechts, die Initiatorin vieler Ausstellungen in Pulsnitz  

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