Matinee zum 20. Todestag von Siegfried Pitschmann

Erstellt: Samstag, 03. September 2022 Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 25. September 2022 Geschrieben von Christine Neudeck

Aber ich würde doch gern für mich stehen.

Matinee zum 20. Todestag von Siegfried Pitschmann

Der Schriftsteller Siegfried Pitschmann (1930-2002) Es ist in Hoyerswerda zur Gewohnheit geworden, regelmäßig an Brigitte Reimann und Siegfried Pitschmann zu erinnern, die in den 60er Jahren in unserer Stadt lebten und den Aufbau des Gaskombinats Schwarze Pumpe und der Neustadt von Hoyerswerda literarisch begleiteten.
Anlässlich des 20. Todestages von Siegfried Pitschmann, der am 28. August 2002 in Suhl verstarb, trafen sich Literaturinteressierte im neuen „Brigitte-Reimann-Kabinett“ der Stadtbibliothek Hoyerswerda.
Ein besonderes Anliegen der Lesung war es, unterschiedliche Sichten auf das Werk Siegfried Pitschmanns zu Gehör zu bringen. Gelesen wurde aus den autobiografischen Erinnerungen Siegfried Pitschmanns mit dem Titel „Verlustanzeige“, ein Jahr vor seinem Tod von Elisabeth Lüdde auf Tonband aufgenommen. Diese spiegeln einen sensiblen, aufmerksamen Autor wider. Seine feine Beobachtungsgabe lässt die Menschen in seinen Geschichten lebendig und authentisch werden. Die Autobiografie endet mit einem Wunsch Siegfried Pitschmanns, der häufig im nur Zusammenhang mit Brigitte Reimann wahrgenommen wird, dass er doch gern als Schriftsteller für sich selbst stehen würde.
In einem Brief aus dem Jahr 1969 von Erwin Strittmatter an Siegfried Pitschmann ist zu hören, dass Strittmatter Pitschmanns „Kurzgeschichten und kurze Geschichten“, tiefgründig und erstaunlich wohlwollend für einen Dichterkollegen rezensiert. Dieser Text Strittmatters war für die Zuhörer Ansporn, bei einer nächsten Matinee die Geschichten im Original vorzutragen, die unter dem Titel „Kontrapunkte“ 1968 herausgegeben wurden.
Einen tiefen Eindruck hinterließen auch die Briefe, die in den Jahren von 1958 bis 1971 zwischen Brigitte Reimann und Siegfried Pitschmann gewechselt wurden. Besonders bewegend ein Brief Pitschmanns aus dem Jahr 1963 an Brigitte, nachdem sie beide die Scheidung beschlossen hatten. „Und eins wollte ich Dir noch sagen: Dass ich ein riesiges Mitleiden mit Dir habe, ich meine das echte Mit-Erleiden, - Du barmst mich so sehr, wenn ich sehe, wie jämmerlich es Dir geht, - und natürlich nicht nur körperlich. Ich möchte Dir so gern helfen!“ Nach dem Tod von Brigitte Reimann schreibt Siegfried Pitschmann 1973 einen Nachruf, in dem er an Brigittes Produktivität trotz ihrer Krebserkrankung erinnert und an ihrer beider frühere Begeisterung für Ernest Hemingway: „Der Mensch darf nicht aufgeben. er kann zerstört werden, aber er darf nicht aufgeben…“
Im Anschluss an die Lesung spazierten die Teilnehmer der Matinee auf den Spuren der „Franziska Linkerhand“, nach dem gleichnamigen Roman von Brigitte Reimann, im Stadtzentrum der Neustadt Hoyerswerda: vom alten Friedhof zum Gedenkpark der Kriegsgräberstätte und zu Brigitte Reimanns erträumter „Passage unter gläsernem Himmel“, die heute im Lausitzcenter wahr geworden ist. Und weiter bis zum Denkzeichen für Brigitte Reimann im Stadtpark. Die Teilnehmer lasen aus Textstellen, die im Roman ziemlich genau diese Orte beschreiben.
Ein besonderer Dank an die Stadtbibliothek Hoyerswerda, die es dem Freundeskreis des ehemaligen Hoyerswerdaer Kunstvereins ermöglicht, jederzeit ihre Räume für Veranstaltungen zu nutzen.

  Literarischer Spaziergang im Stadtzentrum von Hoyerswerda-Neustadt auf den Spuren von "Franziska Linkerhand", nach dem gleichnamigen Roman von Brigitte Reimann

 

 

 

 

 

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