Eine Stunde mit Handrij Zejler, ein Vortrag von Silvia Lohr.

Erstellt: Freitag, 30. September 2022 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 17. September 2022 Geschrieben von Christine Neudeck

Eine Stunde mit Handrij Zejler

"Eine Stunde mit Handrij Zejler ", mit Silvia Lohr und Rosemarie Klohs, v.r. Viele Schriftsteller wurden im Lauf der Jahrhunderte fast vergessen. So ist es gut, wenn einige Wenige zu gegebenem Anlass an sie erinnern.
Silvia Lohr, ehemalige Deutschlehrerin aus Weißkollm, nahm den 150. Todestag von Handrij Zejler zum Anlass, sein Leben „lebendig“ werden zu lassen und aus seinen Fabeln und Essays zu lesen.
Handrij Zejler wurde am 1. Februar 1804 ins Salzenforst bei Bautzen geboren, er starb am 15. Oktober 1872 in Lohsa. Seine Muttersprache ist sorbisch und er schreibt in Sorbisch. In Lohsa erinnert noch heute seine Grabstelle an der Kirche an ihn und ein Denkmal auf dem Markt aus dem Jahr 1931. Im Zejler-Smoler-Haus wird in einer ständigen Ausstellung sein Werk gewürdigt. Vielfältig waren seine Tätigkeiten, Pfarrer, Dichter, Publizist, Landwirt und Schulinspektor. Bei diesen vielseitigen Tätigkeiten fragt man sich, wann hat Handrij Zejler eigentlich geschlafen? 
Das Zejler-Smoler-Haus befindet sich in Lohsa, im ehemaligen Elternhaus des sorbischen Publizisten, Patrioten und Verlegers Arnost Smoler, der später in Bautzen lebte und die Dichtungen Zejlers veröffentlichte.
Neben seinem dichterischen Werk gab Handrij Zejler sorbische Zeitungen heraus, verfasste eine sorbische Grammatik und kümmerte sich um die Bildung der Jugend, viele Schulen in der Lausitz tragen heute seinen Namen. Zejler gilt heute als Begründer der sorbischen Dichtung. Silvia Lohr überschreibt ihre Lesung mit dem Titel „Eine Stunde mit Handrij Zejler“, weil man spürt, dass er sein Leben sehr bewusst gelebt hat und seine Überzeugungen uns in seinen Gedichten ansprechen. Sie liest die Fabeln und Essays aus dem Gedichtband „Der betresste Esel“, herausgegeben vom Domowina-Verlag 2004, ins Deutsche übersetzt von Kito Lorenc, Jurij Brêzan und Albert Wawrik. Zudem hatte sie Unterstützung mitgebracht, die Sopranistin Rosemarie Klohs, die Gedichte von Zejler, vertont von Korla Awgušt Kocor, sehr emotional vortrug, im sorbischen Originaltext, sehr zur Freude des Publikums. Zu den Liedern gehörte auch die sorbische Nationalhymne, die alle mitsingen durften.

Rjana Łužica,
sprawna, přećelna,
mojich serbskich wótcow kraj,
mojich zbóžnych sonow raj,
swjate su mi twoje hona!
Čas so přichodny,
zakćěj radostny!
Ow, zo bychu z twojeho
klina wušli mužojo,
hódni wěčnoh wopomnjeća!

Der deutsche Text lautet etwa so:
Lausitz, schönes Land,
wahrer Freundschaft Pfand!
meiner Väter Glücksgefild,
meiner Träume holdes Bild,
heilig sind mir deine Fluren!
Blühest du, Zukunftszeit,
uns nach bitterem Leid?
Oh, entwüchsen deinem Schoß.
Männer doch an Taten groß,
würdig ewigen Gedenkens!
Die Fabeln und Essays Handrij Zejlers sind in einem heiter satirischen Ton geschrieben, sie sind vorwiegend als Kritik "an den verkrusteten alten Herrenschichten" zu verstehen, doch wer hätte das gedacht, sie galten nicht nur im 19. Jahrhundert, sie sind noch heute brandaktuell.
Zu hören ist vom Anbeginn der Welt, als Gott gute und schlechte Eigenschaften unter den Tieren vergab, da fiel die List auf den Fuchs, der Fleiß auf die Biene, der Verstand auf den Elefanten, die Kraft auf den Löwen und die Treue kam - auf den Hund. Erstaunlich dass es auch im Sorbischen die Metapher gibt, dass etwas auf den Hund kommen kann.
Hund und Katze, beide hungrig, erlegen nach langer Mühe gemeinsam einen Spatz, doch sie können sich nicht über die Zubereitung einigen, der Streit dauert so lange, bis der Spatz nicht mehr genießbar ist. „ Arme Irre! - hör ich sagen - wegen solcher Kleinigkeiten soll man sich nicht blutig schlagen… Solche Querköpfe in Massen ich auf Menschenschultern sah!“
„Im goldbetressten Galarock, in Samt und Seide… geht ein Esel durch die Stadt... wohlbestallt bei seiner Majestät und galt als hohes Tier und – Schnösel“. Als der „Schnösel“ die schwer bepackten Esel des Müllers auf der Straße trifft, kümmert es ihn einen Furz, dass diese für seinen Lebensunterhalt schwer schuften müssen. „Ob Mensch, ob Esel – einerlei, ein Pöstlein steht für jeden frei, der nicht aufs Maul gefallen, und wer dazu das größte Maul… am höchsten steigt von allen.“
Viele weitere Fabeln waren zu hören, von Silvia Lohr sehr passend ausgewählt, alle zum Schmunzeln und allerdings auch zum Nachdenken.

 

 

 

 

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