Oratorium „Die Schöpfung“, von Joseph Haydn, erklang in der Johanneskirche Hoyerswerda

Erstellt: Samstag, 28. Mai 2022 Zuletzt aktualisiert: Freitag, 03. Juni 2022 Geschrieben von Christine Neudeck

Ein Klangteppich für die Erde, für Natur und Mensch

Johanneskirche Hoyerswerda, Oratorium "Die Schöpfung" von Joseph Haydn Die Schöpfung - allein dieses Wort assoziiert in allen Sprachen der Welt etwas Großartiges, Einmaliges. Kommt zum Text des Schöpfungsberichtes der Bibel noch die Musik eines Joseph Haydn (1732 – 1809) hinzu,  entsteht ein überwältigendes Klangerlebnis. So zu hören in der Johanneskirche in Hoyerswerda.
Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde, so beginnt der Text, mit Tönen grollen und rumoren zuerst die Bläser, dann alle Instrumente gemeinsam, von behutsam und leise steigern sie sich zu schnell und dramatisch, laut und lauter, Sänger kommen dazu und bald musizieren alle wie in einem Rausch, der am Ende mit einem hellen, lauten Jubel das Licht begrüßt - Stille… mit leisen, harmonischen Klängen „keimt Ordnung empor“.
Die Aufführung dieses majestätischen Oratoriums in unserer Region wurde durch den Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien und durch die Stadt Hoyerswerda unterstützt. Der Aufführung vorausgegangen sind unzählige Übungsstunden des Oratorienchores Hoyerswerda unter Leitung von Kantor Johannes Leue, der Erweiterten Ebersbacher Kantorei unter Kantor und Dirigent des Abends, Amadeus Egermann, sowie der Musiker der Neuen Lausitzer Philharmonie. Nicht zu vergessen, drei großartige Gesangssolisten, Anna Stadler - Sopran, Samir Bouadjadja -Tenor und Martin Schicketanz - Bass, gaben dem Abend mit ihren jugendlichen Stimmen einen ganz besonderen Glanz. Die Chöre, allesamt Laien, sangen zwei Stunden mit vollem Einsatz, beinahe im wahrsten Sinn des Wortes, bis zur Erschöpfung. Am „modernen elektronischen Cembalo“ begleitete Esther Slesazeck. Diesen Part übernahm Haydn bei seinen Aufführungen oft selbst und dirigierte auch gleichzeitig.
Die Uraufführung fand 1798 im alten Burgtheater in Wien statt, unter größtem Jubel und vollster Sympathie für „Papa Haydn“. Josef Haydn hatte in den 1790er Jahren England bereist, ihn hatten die Aufführungen von Händels Oratorien überwältigt, etwas Ähnliches wollte er unbedingt schaffen. Das Libretto für sein Oratorium brachte Haydn aus England mit, es besteht aus dem Schöpfungsbericht, aus Psalmversen und aus Texten der englischen Literatur. Dieses wurde mit einigen Änderungen ins Deutsche übertragen und besteht nun aus drei Teilen, die alle drei wie in sich geschlossen komponiert sind. Die Solisten erzählen das Geschehen, das Orchester hilft dabei und die Chöre besingen unentwegt das Lob der Schöpfung.
Verzaubert durch die Musik erlebt der Zuhörer das Aufgehen von Sonne und Mond, das Sprudeln der ersten Quellen, Tiere im Wasser und in der Luft werden lebendig, Pflanzen und weitere Tiere aller Art kommen hinzu, alles im Überfluss.
Zum Schluss fehlt nur ein Geschöpf, das diese einzigartige Schöpfung erkennen und preisen kann, der Mensch. Und „Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde“, ausgestattet mit Schönheit, Weisheit und Mut. Doch bei aller Vollkommenheit ist die Schöpfung nicht vollkommen. Und als Gott sein Angesicht deshalb abwendet, da zerfällt alles in Staub, doch aus dem Staub sprosst fortan neues Leben hervor, immer wieder „verjüngt wird die Gestalt der Erde an Reiz und Kraft“.
Im Schlusschor, singen alle Instrumente und Sänger das Lob der Schöpfung um die Wette, klangvoll und mitreißend. Das Publikum dankt überschwänglich und es gibt, was außergewöhnlich ist, den Schlusschor als Zugabe.
Jeder fühlt, das hat etwas mit mir zu tun, hier und heute, mehr als 200 Jahre nach Haydn und mehr als 3000 Jahre nach der Niederschrift des Schöpfungsberichtes.
Somit können die Eingangsworte von Superintendent Heinrich Koch auch am Ende stehen: „Die Liebe zur Schöpfung, wir brauchen sie ganz dringend“.

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