Der Freundeskreis besucht die Sonderausstellung "Hofkunst für die Sächsische Schweiz" im Residenzschloss Dresden

Erstellt: Mittwoch, 18. Mai 2022 Zuletzt aktualisiert: Freitag, 27. Mai 2022 Geschrieben von Christine Neudeck

Kleinodien erzählen Weltgeschichte

Der Lohmener Altar von 1575 in der Sonderausstellung "Hofkunst für die Sächsische Schweiz" im Residenzschloss Dresden Wenn auch mancher Museumsmuffel davon ausgeht, dass in Museen der Zeitgeist verstaubt ist, so ist doch genau das Gegenteil der Fall. Unser heutiges Wissen wurde in der Vergangenheit angereichert und ist Basis für unser Leben von heute und morgen. Es ist also gut, dass dieses Wissen in unzähligen Museen aufbewahrt wird und es lohnt sich, genau hinzusehen.
Und genau dieses akribische Sehen von Zusammenhängen ist das Markenzeichen des Schweizer Kunsthistorikers, Dr. Marius Winzeler. Er ist heute der Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer im Residenzschloss Dresden. Eine von ihm kuratierte Sonder-Ausstellung im Studiolo, einem Kabinett innerhalb der Rüstkammer, trägt den Titel: „Hofkunst für die Sächsische Schweiz.“
Unter der exzellenten Führung von Dr. Marius Winzeler besuchte der Freundeskreis des ehemaligen Hoyerswerdaer Kunstvereins diese Ausstellung.
Diese ist eingebettet in den Bereich des Kurfürsten August von Sachsen (1526-1586) innerhalb der Rüstkammer. August hatte nach dem Tod seines Bruders Moritz die Kurwürde übernommen und führte nach langen Kriegsjahren die Verwaltung und die Wirtschaft im Albertinischen Sachsen zu einer neuen Blüte. Das alles ist mit Urkunden und vielen Preziosen für Handwerk, Landwirtschaft und Heilkunde in der Ausstellung zu bewundern. Man staunt über Bohrer und Holzbearbeitungswerkzeuge ebenso wie über Geräte für Gärtner und Bauern, wie wir sie heute noch verwenden. Die Ehefrau von Kurfürst August, Anna von Dänemark, beschäftigte sich mit Medizin und Pharmazie, und sie führte einen Unterricht für Hebammen ein. Ihr Wirken ist in der Ausstellung ebenfalls präsent.
Für Kurfürst August arbeitete der kurfürstliche Kammersekretär, Johann Jenitz, den der Kurfürst mit Gut und Vorwerk Lohmen in der Sächsischen Schweiz beschenkt hatte. Zudem war Jenitz ein gewitzter Unternehmer im Bergbau und in Handelsgeschäften. Für den Handel mit dem blauen Farbstoff Smalte besaß er das Privileg für ein weit ausgedehntes Handelsnetz und wurde reich damit. Smalte wurde in großen Mengen in Blaufarbenwerken hergestellt und diente als Ersatz für den überaus wertvollen Lapislazuli. Smalte ist Kobaltglas, ein mit Ultramarin eingefärbtes Glas, das zur Gewinnung von Farbpigmenten pulverisiert wurde.
Wer reich ist, will seinen Reichtum auch zeigen. Johan Jenitz beauftragte deshalb 1575 keinen Geringeren als den kursächsischen Hofmaler Heinrich Göding d.Ä. mit einem Altarbild für die damalige Schloss- und Dorfkirche in Lohmen. Heinrich Göding war einst im Gefolge der Anna von Dänemark nach Dresden gekommen. Von ihm stammen unzählige Bilder und Kupferstiche. Er malte die Schlösser Augustusburg, Annaburg, Nossen, Freudenstein und viele andere aus, unter anderem auch den „Langen Gang“ im Schloss in Dresden, der nach der vollständigen Zerstörung im zweiten Weltkrieg 2020 aufwendig wieder hergestellt wurde und durch seine zeitlose Gestaltung noch heute begeistert.
In der Sonderausstellung ist der Lohmener Altar nun im Kontext mit dem Wirken von Kurfürst August und Kurfürstin Anna und mit der Geschichte von Johann Jenitz und Heinrich Göding zu bewundern. Der Altar fristete in der neuen Kirche von Lohmen seit 1789 nur ein Schattendasein und wurde jetzt behutsam restauriert. Nach der Ausstellung wird der Altar nach Lohmen zurückkehren und sicher einen angemessenen Platz finden.
In der klassischen Form eines Flügelaltars stellt Heinrich Göding die Kreuzigung Jesu in den Mittelpunkt. Er fügt dem religiösen Motiv sehr weltliche Geschehnisse hinzu, den mit viel Pomp in Dresden begangenen Besuch von Kaiser Maximilian II. im Jahr 1575, die Bildnisse hochrangiger Zeitgenossen und mit größter Wahrscheinlichkeit auch den kurfürstlichen Kammersekretär Johann Jenitz, er ist die am prunkvollsten gekleidete Person des Altars. Im Hintergrund sind Versatzstücke der Dresdener Stadtsilhouette zu sehen. Rahmen und Schrifttafeln wurden, wie kann es anders sein, in Smalte-Blau bemalt und reich mit goldenen Ornamenten verziert.
Auf nur wenigen Quadratmetern Ausstellungsfläche, die mit vielen Kleinodien rund um das Altarbild ausgestattet ist, gewinnt der Besucher hier einen einzigartigen und weiten Blick auf die Geschichte Sachsens und auf die Bedeutung Sachsens im 16. Jahrhundert.

"Der Lange Gang" in der Rüstkammer im Residenzschloss Dresden, ursprüngliche Bemalung von Heinrich Göding d.A. (1531-1606), 2020 wieder hergestellt.

 

 

 

 

 

 

Die Ausstellung ist noch bis zum 10.06.2022 im Residenzschloss Dresden zu sehen.

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