Rudolf Renner stellt Max Slevogt vor, den Maler des Lichts.

Erstellt: Donnerstag, 02. Juli 2020 Zuletzt aktualisiert: Freitag, 10. Juli 2020 Geschrieben von Christine Neudeck

Max Slevogt - Maler des Lichts

Rudolf Renner gilt der Dank der Zuhörer für einen Vortrag zu Max Slevogt beim Hoyerswerdaer Kunstverein, Juli 2020 Die meisten der Zuhörer kennen die farbenfrohen Bilder des Malers Max Slevogt (1868-1932). In Erinnerung sind vor allem seine vielen Selbstporträts, die ausdrucksstarken Frauendarstellungen und die farbintensiven Landschaftsbilder, von der Pfalz und Italien, von Berlin und Hamburg, von der Nordsee und von der Libyschen Wüste. Sie alle haben eines gemeinsam, sie geben einen unvergesslichen Augenblick wider, sind "flüchtige Momentaufnahmen", in denen Slevogt "mit Licht" malt.
Rudolf Renner, Kunsthistoriker und langjähriger Leiter der Galerie der BASF in Schwarzheide, stellte den Maler beim Hoyerswerdaer Kunstverein vor.
Max Slevogt wurde 1868 in Landshut geboren, lebte nach dem Tod des Vaters mit Mutter und Geschwistern in Würzburg, bevor er in München und Paris studierte.
München ist seine erste Station als freischaffender Künstler.
Rudolf Renner zeigt an Hand der Bilder sehr anschaulich, wie sich die Bildsprache Slevogts im Laufe der Jahre veränderte. Sind die allerersten Porträts noch im Stil von Wilhelm Leibl gemalt, warme Brauntöne und ziemlich dunkel, so wird er sehr bald zum Maler des Lichts, dabei nehmen die Selbstporträts und die Familienbilder einen großen Raum in seinem Schaffen ein. Zur Familie gehören seine Frau Antonie Finkler, die er 1898 heiratet, zwei Kinder und viele Verwandte.
In München wird er Mitbegründer der Münchner Secession, neben dem Malen zeichnet er Karikaturen für die Zeitschriften "Simplicissimus" und "Jugend". 1901 wechselt er gemeinsam mit Lovis Corinth nach Berlin, wird dort Mitglied der Berliner Secession und lernt Max Liebermann kennen. Slevogt, Corinth und Liebermann werden im Gegensatz zu der bisher üblichen Ateliermalerei zu typischen Vertretern der Freilichtmalerei. Und das kann man an vielen Bildern Slevogts nun bewundern. Sehr eindrucksvoll ist das bereits am Bild "Blühende Kirschbäume auf Neukastel" von 1898 nachzuempfinden: durch das nur sparsam angedeutete Weiß der Kirschblüten im Vordergrund schimmern Burg und Berglandschaft hindurch, alles wie hingehaucht, wie betrachtet mit halb geschlossenen Augen, geblendet vom Licht.
In Frühjahr 1914 beteiligt sich Slevogt an einer Malerexpedition nach Ägypten, es entstehen viele "impressionistische" Gemälde, die fast alle in der Galerie Neue Meister im Albertinum in Dresden zu finden sind, lichtdurchflutet, unverkennbar orientalisch und unverkennbar Slevogt.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird Slevogt als Kriegsmaler an die Westfront geschickt. Die realen Bilder, die er hier zu sehen bekommt, schockieren ihn so, dass er es nur wenige Wochen an der Front aushält. Bruno Cassirer gibt sein "Kriegstagebuch" mit Zeichnungen und Aquarellen in Berlin heraus, Tote auf den Schlachtfeldern, Angst und Verstörtheit der Überlebenden.
Slevogt arbeitet in Berlin und Dresden zeitweilig auch als Bühnenmaler für Oper und Schauspiel, zum 60. Geburtstag widmet ihm die Preußischen Akademie der Künste eine große Ausstellung.
Ein weites Feld nehmen bei Slevogt auch religiöse Motive ein, die er zu allen Zeiten malt und zeichnet. Eine außergewöhnliche Darstellung des Geschehens auf dem Berg Golgatha gibt Anlass zum Nachdenken: in einer fast surrealistischen Landschaft, unter drei Kreuzen und drei Gekreuzigten, stehen Herren mit schwarzen Zylindern, in schwarzen Gewändern, die offensichtlich heftig über Gewinn und Verlust debattieren, ohne das Geschehen um sie herum wahrzunehmen, geschweige denn von diesem beeindruckt zu sein. Dieses Gemälde hatte Slevogt 1932 für die Friedenskirche in Ludwigshafen gemalt, es wurde im zweiten Weltkrieg durch Bomben vernichtet.
Das Herrenhaus in Neukastel bei Leinsweiler, in dem die Familie seiner Frau ursprünglich lebte, hatte er 1914 ersteigert. Vormals als Sommersitz genutzt, wird es später zum Hauptwohnsitz der Familie, den er ausbaut und mit eindrucksvollen Wand- und Deckenmalereien ausstattet.
Am 20. September 1932 stirbt Max Slevogt hier im Alter von fast 64 Jahren. Heute heißt das Anwesen Slevogthof Neukastel, eine Nutzung als Museum erfolgt leider nur sporadisch.

Max Slevogt,  Tänzerin  Marietta di Rigardo, gemalt 1904,  ehemals Sammlung Adolf Rothermund, heute Dresden Albertinum. Ausstellung "Von Monet bis Mondrian", 150 Kunstwerke aus Dresdener Privatsammlungen,  die in alle Welt verstreut sind. Das Bild der Tänzerin Rigardo war mit einer Größe von 180 * 229  cm der Blickfang der Ausstellung. 2006 besuchten Mitglieder des Hoyerswerdaer Kunstvereins diese Ausstellung im Palais Brühlsche Terrasse gemeinsam mit Freunden aus Rotterdam

 

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