Kira Potowski berichtet über ihre Arbeit und ihr Leben in Mexiko.

Erstellt: Mittwoch, 14. September 2016 Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 18. September 2016 Geschrieben von Christine Neudeck

Mexiko - mehr als Traum und Abenteuer

Kira Potowski, 2016 Vortrag beim Hoyerswerdaer Kunstverein. Auf dem Bild im Hintergrund ist ihr Büro in Mexiko bei der AHK zu sehen. Wohltuend erfrischend, mit jugendlichem Schwung erzählt Kira Potowski beim Hoyerswerdaer Kunstverein von ihrer neuen Heimat Mexiko. Die spanische Sprache und Südamerika waren für sie viele Jahre lang Sehnsuchtsorte. Eine Arbeit in Mexiko wurde zur Erfüllung, nachdem sie fast schon die ganze Welt bereist hatte. Dazu gehört ein Jahr Schüleraustausch in den USA als Schülerin am Lessing-Gymnasium in Hoyerswerda, Studium in Görlitz, Osnabrück und Seoul, dazwischen ein Jahr Studium an der Universität in Salamanca in Spanien, Studienaufenthalt in Buenos Aires in Argentinien, Besuche in Kolumbien und China. Sie schließt die Universität mit einem Doppelmaster ab im Fach "International Business und Management". Im Anschluss daran erwanderte sie auf einer kleinen Weltreise als "Rucksacktouristin" die Stätten der frühen Kulturen in Indonesien, Sri Lanka, Kambodscha und in Mittelamerika, hier auf den Spuren der Azteken, Maya und Inka. 
Danach begann das Bewerben und Warten auf/für eine Anstellung, die sollte und durfte nur in Süd -oder Mittelamerika liegen, weil hier anders gelebt wird als in Deutschland: Man arbeitet um zu leben. In einem früheren Vortrag über Argentinien hatte sie dafür ein Zitat von Federico Garcia Lorca gewählt: „Ich weiß, dass nicht der die Wahrheit zu eigen hat, der "heute, heute, heute" sagt und dabei sein Brot direkt am Backofen isst, sondern der, der mit heiterer Ruhe in der Ferne das erste Leuchten des Tagesanbruchs auf den Feldern sieht.“
Ein "un/befristeter" Arbeitsvertrag bei der AHK in Mexiko-Stadt, Méxíco D.F., ist so etwas wie das Leuchten des Frederico Garcia Lorca bei Tagesanbruch für sie. Ihre Arbeit bei der deutschen Auslandhandelskammer in Mexiko ist eine sehr vielfältige, auch wenn sie speziell innerhalb des Sektors Energie zuständig ist für die Betreuung von deutschen Firmen der Bio- und Solartechnik, die in Mexiko investieren wollen. Das war auch der Anlass, der sie dieses Mal nach Deutschland führte. In Frankfurt Main hielt sie einen Vortrag bei einem Event zur Energie aus regenerativen Quellen, zu Möglichkeiten über den Technologietransfer nach Mexiko, bevor sie eine Gruppe von mexikanischen Firmenchefs durch die Windparks in Norddeutschland begleiten wird. Ein kleiner Zwischenstopp in Hoyerswerda bescherte den Zuhörern beim Hoyerswerdaer Kunstverein somit diesen spannenden Vortrag über Mexiko. Zu erfahren war, dass Mexiko eine Fläche, fast halb so groß wie die EU, einnimmt, dass spanisch gesprochen wird, dass die Hauptstadt mit 20 Millionen von insgesamt 122 Millionen Einwohnern viele Probleme auf engstem Raum zu lösen hat. Stau-frei ist diese Stadt zu keiner Tageszeit und kaum zur Nachtzeit. Müllbeseitigung, Trinkwasseraufbereitung und Abwasserreinigung gleichen sich nur langsam an europäische Standards an. Trotz allem ist Mexiko für Kira ein wunderbares Land, auch wenn die Korruption nur allmählich zurückgeht, wenn der Präsident Enrique Peña Nieto eher ein Schönling, denn ein verantwortlicher Politiker ist, der mit Drogenbossen und korrupter Polizei paktiert, anstatt sie zu bekämpfen. Ebenso äußert sich Kira Potowski unmissverständlich zu dem umstrittenen Besuch des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und dessen Forderung nach einer Mauer zu den USA, die Mexiko bezahlen soll. Das mexikanische Volk aber will selbst Entscheidungen treffen und die eigene Identität nicht verlieren. Ausländische Herrscher kennt es aus der Geschichte zuhauf. Von dieser Geschichte war ebenfalls eine Menge zu hören und in den Bildern von Diego Rivera zu sehen, auch in Fotos der Tempelanlagen der Azteken von Teotihuacán. Das Wappen Mexikos erinnert noch heute an die Gründung der ehemaligen Hauptstadt der Azteken Teotihuacán am heutigen Standort von Mexiko-Stadt, die auf einer Hochebene in 2100 m Höhe liegt, umgeben von Bergen aus Vulkanen. Es zeigt einen Adler, der auf einem Kaktus sitzend eine Schlange verzehrt und der Legende nach den Azteken als Ort für ihre Hauptstadt vorausgesagt war.
Dank an Kira Potowski. So einprägsam und anregend kann nur ein junger Mensch erzählen, der von dem, was er tut und erlebt voll erfüllt ist und der die Welt mit offenem und wachem Geist erlebt.

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