Der Filmemacher, Bernd Cäsar Langnickel, stellt seinen Film "Lebenslust und Totentanz" beim Hoyerswerdaer Kunstverein vor

Erstellt: Donnerstag, 05. September 2019 Zuletzt aktualisiert: Montag, 16. September 2019 Geschrieben von Christine Neudeck

Das Wunder Mensch

Bernd Cäsar Langnickel stellt seinen Film "Lebenslust und Totentanz" beim Hoyerswerdaer Kunstverein vor. Der Filmemacher, Bernd Cäsar Langnickel, zeigt seinen Film "Lebenslust und Totentanz" , den er im Rahmen der Reihe, "Geschichte Mitteldeutschlands" für den MDR drehte

Bernd C. Langnickel beschreibt seinen Film "Lebenslust und Totentanz" als einen Episodenfilm, kleine Begebenheiten aus Mitteldeutschland, die von der Sterblichkeit des Menschen erzählen und vom Tod, vor dem alle gleich sind. Es ist beileibe kein rührseliger Film, sondern eine sehr realistische Betrachtung des Lebens im Lauf der Jahrhunderte, das sehr häufig mit einem gewaltsamen Tod endet, durch einen Mord, in Kriegen, in Hexenverfolgungen oder in Gaskammern, wobei der Mensch oft "niedriger als ein Tier erniedrigt wird". In allen Jahrhunderten gibt es aber auch Personen, die ihre Lebenskraft daran setzen, zu heilen, das Leben lebenswert zu machen und zu verlängern.
Geschichtliche Zeugnisse findet B.C. Langnickel in den Hünengräbern aus dem Neolithikum im Haldenslebener Forst, die auch für Menschopfer genutzt wurden. Er findet sie in den für die Oberlausitz typischen Sühnesteinen und Bildsäulen, die jeweils von einem Mörder als Sühne errichtet werden mussten, dabei wurde meist die Tatwaffe im Stein bildhauerisch dargestellt. In Erfurt erinnert er stellvertretend an Tausende von Toten, die der Pest im Mittelalter zum Opfer fallen und an die Judenmassaker im Jahr 1221.
Der Wundarzt Doktor Eisenbart (1663-1727) aus der Oberpfalz , der niemals einen Doktortitel erworben hatte, war tätig in Gotha und Altenburg, in Erfurt, Jena und Weimar, in Leipzig, Magdeburg und weiteren Städten Mitteldeutschlands. Er reiste mit einem Zelt umher, vertrieb Heiltinkturen und verstand sich eher als Wunderarzt, denn als Wundarzt. Seine spektakulären Operationen und Heilerfolge verhalfen ihm zu großem Ansehen. "Ich bin der Doktor Eisenbart... kann machen, dass die Blinden gehn und die Lahmen wieder sehn..." - wurde zum Spott- und Trinklied der Studenten um 1900.
Erwähnt wird in dem Film auch der "Hexenhammer". Das Werk, das die Hexenverfolgung legitimierte, fand in hohem Maß Anwendung im Harz und um Wittenberg.
Mit Christoph Wilhelm Hufeland, der zur Goethe-Zeit in Weimar tätig war und später in Berlin, begann eine neu Aera des öffentlichen Denkens in der Medizin. Seine Schrift: "Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern" findet breite Resonanz, besondere Ernährung, harmonischer Lebensstil, Gesundheitsfürsorge und staatliche Gesundheitspolitik werden im Sinne der Aufklärung gefordert. Das erste, von ihm gegründete deutsche Leichenschauhaus in Weimar, muss er allerdings aus Pietätsgründen bald wieder schließen.
Die ganzheitliche Betrachtung des Menschen in der Medizin breitet sich weiter aus. Robert Koch (1843-1910), gebürtig im Harz und lange Zeit tätig in Berlin, fand mit seinen Forschungen zu den Infektionskrankheiten heraus, wie man die Ausbreitung derselben verhindern kann, und leistete Wesentliches zur Verbesserung von Hygiene und Arbeitsbedingungen und damit zur Steigerung der "Lebenslust".
In diesem Sinn machte am Ende des 19.Jahrhunderts in Radebeul ein gewisser Friedrich Eduard Bilz mit seiner volkstümlichen Naturheilkunde auf sich aufmerksam. Sein Buch "Bilz, das neue Heilverfahren, ein Nachschlagebuch für Jedermann an gesunden und kranken Tagen" lässt den Ansatz bereits im Titel erkennen, die gesunden Tage sollen zur umfassenden Hygiene und zur Vorbeugung gegen Krankheiten genutzt werden. Sein "Sanatorium I. Ranges" in Radebeul wird weltberühmt. Heute dienen die ehemaligen Kurhäuser dem Wohnen. Zur materiellen Absicherung von Hinterbliebenen konnte ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine Lebensversicherung bei der "Gothaer Lebensversicherungsbank" abgeschlossen werden, die auf Ernst-Wilhelm Arnoldi in Gotha zurück geht.
Für Bernd C. Langnickel sind es vor allem die Kriege, die kaum Zeit für Lebenslust lassen und frühzeitig in den Tod führen, der 30-jährige Krieg, Erster und Zweiter Weltkrieg und alle anderen, gestern und heute, erfordern Opfer in übergroßer Zahl. Das "Wunder Mensch" wird außer Kraft gesetzt. Immer wieder hat sich der Mensch am Menschen vergangen". Als Beispiel hierfür nennt er auch die Gaskammern der Tötungsanstalt für Geisteskranke in Bernburg, wo es Ärzte waren, die den Gashebel betätigten. Einer von ihnen war Irmfried Eberl, der vorher u.a. eine Anstellung am deutschen Hygiene-Institut in Dresden innehatte und später im Vernichtungslager in Treblinka arbeitete.
Zum Abschluss des Films weist Langnickel auf einen Friedhof in Görlitz-Rauschwalde hin. Hier sind die Toten des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers begraben, Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg und russische Soldaten, alle mit eigenem Grab und Namenstafel.
Der Film will sensibel jeden Einzelnen ermahnen, dass sich der Mensch nicht am Menschen vergehen darf, dass das "Wunder Mensch" Anspruch hat auf Lebenslust und nur mit einem natürlichen Tod enden sollte, so wie im mittelterlichen Totentanz dargestellt, ohne Ansehen der Person.

 

 

 

Zugriffe: 110