"Das besondere Konzert zur Jahreswende 2019" mit Heidemarie Wiesner

Erstellt: Sonntag, 13. Januar 2019 Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 16. Januar 2019 Geschrieben von Christine Neudeck

Zeitgenössische und klassische Musik in perfekter Harmonie

"Das besondere Konzert zur Jahreswende 2019" mit Heidemarie Wiesner, unterstützt vom Hoyerswerdaer Kunstverein.

"Das besondere Konzert zur Jahreswende 2019" in Hoyerswerda. Von links: Heidemarie Wiesner, Michael Yokas, Gabriella Strümpel, Waltraut Elvers, Gregor Kliem Bei dem "Besonderen Konzert zur Jahreswende", das von der Pianistin Heidemarie Wiesner ins Leben gerufen wurde, liegt die Betonung auf dem "Besonderen". Und das zu Recht. Denn seit vielen Jahren bemüht sich Heidemarie Wiesner um eine Verbreitung von zeitgenössischen Musikstücken sorbischer Komponisten. Das diesjährige Konzert stand unter dem Thema "Spuren", im Sorbischen "Sledy". Der Moderator des Abends, Gregor Kliem, sorbischer Musikwissenschaftler, gab in Sorbisch und Deutsch die entsprechende Erläuterung; Spuren kommen aus dem Vergangenen, verfolgen aber gleichzeitig etwas Neues, vergleichbar einem Rhizom, das in der Erde ruht und seine Wurzeln in alle Richtungen ausbreitet, Spuren, die ineinander überwechseln. Übertragen auf die Musikstücke des Abends, konnten die Zuhörer auf Spurensuche gehen,
im klassischen Repertoire von Beethoven, Robert Schumann und Clara Schumann, vorrangig in Quartetten für Klavier, Violine, Viola und Violoncello. Die Fortsetzung war bei Jan Cyž, Juro Metšk, Deltlef Kobjela, Johannes Kretschmer, Ukrich Pogoda, Sebastian Eilkowski- Winkler und Heinz Roy zu finden.
Jan Cyž nannte sein Klavierquartett "vierspurig" und verfolgte damit die Spuren seines Kollegen Detlef Kobjela, der 2018 verstorben ist, indem er aus dem Anagramm des Namens mit den Tönen d-e-f-b-a die Instrumente nacheinander "in die Spur schickt". Disharmonische und melodische Klänge wechseln miteinander ab und münden in eine sehr berührende Totenklage. Gleichzeitig ehrte Jan Cyž damit Marie Wiesner und die virtuose Waltraut Elveres (Viola), die seit vielen Jahren seine Stücke zur Uraufführung bringen, denn es ist eine ungeheure Kraftanstrengung für die Musiker, zeitgenössische Musik zu spielen; neben konzentriertem Zählen gilt es, mit mehreren Instrumenten trotz ein harmonischen Ganzes mit Leichtigkeit erklingen zu lassen.
In einem "Canti per cello e piano" von Juro Metšk kam das Cello zu verdienten Ehren. Gabriella Strümpel beherrscht dieses Instrument bestens und im wörtlichen Sinn von canti singt sie im Duett mit dem Klavier vom Negativen und Schönen des Lebens. Gabriella Strümpel wurde in den USA geboren, studierte Europa weit und lebt seit 2008 in Berlin.
Ein Rondo von Ulrich Pogoda gibt der Violine den Vorrang, die Michael Yokas meisterlich beherrscht, seine Heimatstadt ist Boston, er lebt und arbeitet seit 2004 in Berlin. In Pogodas Rondo ist die Symbiose von Klassik und Moderne vielleicht am deutlichsten hören, mit abwechselnd lyrischen und disharmonischen Passagen. Dem anwesenden Komponisten wurde deshalb besonders applaudiert.
Heinz Roy, der Veteran der Komponisten widmete das für dieses Konzert geschriebene Klavierquartett Clara Schumann. Von ihr war im Konzert eine Romanze für Piano und Violine zu hören. Die Komposition von Heinz Roy erinnerte eher an Robert Schumann, der dem Romantischen abgesagt hatte und in seiner Zeit schon ein "moderner" Komponist war. Schumanns Klavierquartett beschloss das Konzert überaus lebendig.
Der Dank gilt dem außergewöhnlichen Engagement von Heidemarie Wiesner und ihren Musikern für ein Konzert, dass seines Gleichen suchen kann bei der Begeisterung auch für zeitgenössische Musik. Die Zuhörer bestätigten dies mit einem aufrichtigen und freudigen Applaus.
Klavierquartett mit Heidemarie Wiesner, Piano, Michael Yokas, Violine, Waltraut Elvers, Viola, Gabriella Strümpel, Violoncello. Heidemarie Wiesner und Waltraut Elvers, v.l. Gabriella Strümpel und Gregor Kliem

 

 

 

 

 

Der Komponist Ulrich Pogoda bedankt suích bei Michael Yokas.

 

 

 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung von Sächsische Zeitung, Hoyerswerdaer Tageblatt

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