Am 45. Todestag von Brigitte Reimann gedenkt der Hoyerswerdaer Kunstverein der Schriftstellerin

Erstellt: Mittwoch, 21. Februar 2018 Zuletzt aktualisiert: Freitag, 02. März 2018 Geschrieben von Christine Neudeck

So gut wie möglich Kunst machen

Am 45. Todestag von Brigitte Reimann gedenkt der Hoyerswerdaer Kunstverein der Schriftstellerin mit einer Lesung aus einem kürzlich erschienenen Briefwechsel zwischen Brigitte Reimann und Reiner Kunze.

Angela Potowski (links) und Helene Schmidt lesen aus einem kürzlich erschienenen Briefwechsel zwischen Brigitte Reimann und Reiner Kunze Es kommt nicht häufig vor, dass ein Dichter so anerkennend die Werke seiner "Schreibkollegen" beurteilt, wie es Brigitte Reimann mit vielen aus ihrer Zunft tat. Ihr umfangreicher Briefwechsel und ihre Tagebücher geben davon ein beredtes Zeugnis.
Was ist also in einer ihr gewidmeten Begegnungsstätte in Hoyerswerda angemessener, als zu ihrem Todestag, der sich in diesem Jahr zum 45. Mal jährte, Briefe zu lesen?
Dank an Martin und Helene Schmidt, die dieses Mal Briefe von Reiner Kunze an Brigitte Reimann auswählten. Dank auch an Angela Potowski, die ad hoc als Leseprofi mitwirkte. Erfreulich, dass viele kamen und mit anregenden Gesprächen die Lesung begleiteten.
Den meisten Gästen sind die Briefe bekannt, die zwischen Brigitte Reimann und Siegfried Pitschmann, Irmgard Weinhofen, Christa Wolf, Veralore Schwirtz oder Hermann Henselmann wechselten. Neu an diesem Tag waren es solche, die Reiner Kunze ihr schrieb, von 1959 bis ins Jahr 1972, bis ein Jahr vor ihrem Krebstod. Wenn man ihre Bücher liest, empfindet man ohnehin fast immer, dass diese im weitesten Sinne auch Briefe sind, sehr emotional geschrieben an ebenso leidenschaftliche Leser.
Doch nun zu Reiner Kunze. In Magdeburg lernen sich Brigitte Reimann und Reiner Kunze in einer Arbeitsgemeinschaft junger Autoren kennen, zu der auch Helmut Sakowski und Wolfgang Schreyer gehören. Über Reiner Kunze wird sie später schreiben, dass er sie nun schätzt, nachdem er sie ursprünglich hart kritisiert hat, dass er damals ein dogmatisch strenger Genosse war, der sich verwandelt hat nach einer Denunzierung an der Leipziger Universität und er diese verlassen musste. Sie trifft ihn öfter wieder im Schriftstellerheim in Petzow, sie finden Übereinstimmungen, in dem, was sie lieben und hassen und Brigitte Reimann bewundert ihn, weil er herrliche Gedichte schreibt, "atemberaubend ehrlich." Gemeinsam mit Siegfried Pitschmann bittet sie 1960 Reiner Kunze eine Unterweisung für ihren Zirkel schreibender Arbeiter einzuplanen, da sie ihn als überzeugten und überzeugenden Lyriker kennen; besonders am Herzen liegt ihnen der junge Volker Braun, der vielversprechende Gedichte schreibt.
Während ihrer Krankheit ist Reiner Kunze eine wichtige Stütze für Brigitte, wenn er sie immer wieder ermuntert, dass es für einen Schriftsteller keinen anderen Weg gibt, als zu schreiben. Wie man aus den Briefen erfährt, ist Brigitte auch für Reiner Kunze eine ebenbürtige Autorin und ein vertrauenswürdiger Mensch, wenn er mit ihr über seine politische Haltung und über seine Depressionen spricht, "Hier wird überhaupt nicht geheult, verstanden?! Nichts als Depressionen. Das geschieht nicht nur Dir so, dass man mit einem Buch nicht weiter kommt... Zweifel an der eigenen Fähigkeit, wie sollten sie uns nicht kommen?"
Erst 1967 kommt Reiner Kunze zu einer Lesung nach Hoyerswerda, zu der ihn Brigitte eingeladen hatte. Später wird er noch mehrmals im Freundeskreis der Künste und Literatur lesen, bis er 1977 die DDR verlässt. 2009 und 2013 war er weitere Male beim Kunstverein zu Gast.
Die Briefe sind im Dezember 2017 vom S. Fischer-Verlag - Neue Rundschau 2017/4 erschienen, unter dem Titel: So gut wie möglich Kunst (Literatur) machen, Brigitte, das ist uns aufgetragen.
Mit freundlicher Genehmigung von Sächsischer Zeitung, Hoyerswerdaer Tageblatt

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