Die Historiker Christian Friedrich und Volkmar Herold berichten von ihren Forschungen: Fürst Pückler im Kosmos der Frauen, Teil 3.

Erstellt: Donnerstag, 23. November 2017 Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 07. Dezember 2017 Geschrieben von Christine Neudeck

Mit Charme und Esprit

Volkmar Herold und Christian Friedrich (v.l.) berichten von ihren Forschungen zu Hermann Fürst Pückler beim Hoyerswerdaer Kunstverein Die Historiker Christian Friedrich und Volkmar Herold berichten von ihren Forschungen: Fürst Pückler (1785-1871) im Kosmos der Frauen, Teil3.

Als die Historiker Christian Friedrich und Volkmar Herold vor Jahren ihre Vortragsreihe über Leben und Werk von Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) begannen, es sind inzwischen mehr als 20 Vorträge, hatte keiner geahnt, dass es so viel zu berichten gäbe und dass man jedes Mal wieder gespannt wäre auf den nächsten Abend.
Heute Neues über den Briefwechsel Pücklers mit geistreichen Frauen, den die Historiker akribisch erforschten.
Zu ihnen gehören Gräfin Julie von Kospoth (1784-1871), Herzogin Dorothea von Sagan (1793-1862) und Augusta von Preußen (1811-1890).
Alle drei waren für ihn nicht erreichbar. Julie von Kospoth war verheiratet und hatte einen sechsjährigen Sohn. Herzogin Dorothea von Sagan und Augusta von Preußen, die spätere Königin und Kaiserin von Preußen waren aufgrund ihres Standes in der Rangfolge des deutschen Adels für ihn als "Fürst" einfach tabu für eine Ehe. Was nicht heißt, dass er Briefe mit ihnen wechseln konnte, die sehr wohl von erotischen Gefühlen lebten, in denen aber ebenso über politische und gärtnerische Fragen debattiert wurde. Deshalb sind diese noch heute überaus heute lesenswert.
Pücklers Drang, an Frauen Briefe zu schreiben, es waren in seinem Leben viele Frauen und viele Briefe, erklären die Historiker mit der lebhaften und geistreichen Art Pücklers Julie von Kospoth selbst. Dieses erotische Flimmern und Glänzen faszinierte ihn und die Frauen erfreuten sich an seinem Charme und seinen geistreichen Betrachtungen all dessen, was um ihn geschah. Und seine Eitelkeit? Sie tat ein Übriges hinzu, aber immer, wenn er sich in seiner Eitelkeit gekränkt fühlte, konnte er unerbittlich reagieren.
Eine Frau zu verführen, ist ohne weibliche Hilfe gar nicht möglich, das musste er an Julie von Kospoth bitter erfahren. Sie beantwortete seine schwärmerischen, liebestollen Briefe zwar sehr wohlwollend, aber später mit dem Hinweis, dass sie nicht von Gefühlen schreiben könne, die sie gar nicht habe. Danach bricht der Briefwechsel ab. Pücklers letzter Brief an sie kündet von seinen überaus reichen Wortwendungen : ...Wen darf ich anklagen als mich selbst, der ihnen nicht zu gefallen verstand? Die Liebe verdient man nicht, ...aus lichten Wolken strömt sie auf uns herab mit Wonneschauern, die die Götter nur ihren Lieblingen senden." Trotz ihrer Abweisung bewahrte ihr Pückler später in seinen Memoiren eine liebevolle Erinnerung als tugendhafte Frau.
Der mit der Herzogin Dorothea von Sagan geführte Briefwechsel zeichnet ein anderes Bild Pücklers. Dorothea von Sagen gehörte zum europäischen Hochadel, war Besitzerin großer Ländereien in Deutschland und Frankreich, sie war verheiratet mit Edmond de Talleyrand-Perigord. Die Ehe verlief für sie nicht glücklich und so lebte sie später mit dessen Onkel, dem französischen Außenminister, Charles-Maurice Talleyrand, zusammen auf Schloss Valencay an der Loire. Mit ihm nahm sie am Wiener Kongress teil, eine Zeit lang lebten sie in London, als Talleyrand als Botschafter tätig war. Nach dessen Tod wurde sie Universalerbin und damit eine der reichsten Frauen Europas. Sie lebte abwechselnd in Frankreich und Preußen. Pückler begegnete ihr während seiner Berliner Zeit im Prinzessinnen-Palais bei Augusta von Preußen. Für ihn war sie eine der Frauen mit Esprit und Charme, die ihn entzückten. Viele Briefe werden Herzogin Dorothea von Sagan von beiden Seiten geschrieben. Sie folgt seiner Einladung nach Muskau und ist erstaunt, mitten in dieser Sandwüste ein Kleinod von Park zu erleben. Pückler besucht sie im Gegenzug in Sagan und gibt Ratschläge bei der Gestaltung des Parks am Schloss. 
Unverkennbar ist sein Respekt vor der geistreichen Herzogin, leider ist sie etwas zu beherrscht und zu wenig gefühlvoll für seine romantische Natur. Dorothea stirbt in Sagan und wird dort in der Friedhofskirche der Herzöge von Sagan beerdigt. 
Augusta von Preußen wurde in Weimar am Hof des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach geboren. Sie genoss eine umfassende Bildung in allen Bereichen von Kunst und Literatur, kannte Goethe noch persönlich. Wilhelm von Preußen wurde von seinem Vater, Friedrich Wilhelm III., genötigt, Augusta zu heiraten. Sie selbst hatte diese Ehe gewollt, Wilhelm allerdings liebte eine polnische Prinzessin, für ihn die Einzige, die er jemals wirklich liebte, Standesunterschiede diese Ehe aber nicht zuließen.
Über seine Frau Augusta schreibt er, dass er ihr empfohlen habe, ihre sehr gereiften Geistesgaben in Einklang mit ihrem Alter und Geschlecht zu halten und ihre Äußerungen nicht als festes Urteil erscheinen lassen zu lassen, sondern nur als ihre Meinung.
Augusta allerdings bleibt ihm ein Leben lang loyal verbunden, leidet aber unter ihrem Leben an der Seite von Wilhelm am preußischen Hof und ist zeitweise von Depressionen geplagt.
1850 ziehen beide nach Koblenz als Wilhelm Generalgouverneur der Rheinprovinz wird. Hier scheinen für Augusta glückliche Tage gewesen zu sein. Bei der Gestaltung des Schlossparks von Augusta von Preußen Koblenz lernt sie neben Lenné auch Pückler kennen. 1835 bis 1845 legt er für sie den Schlosspark in Babelsberg an, danach beginnt ein Briefwechsel 
zwischen beiden, in denen das politische Weltgeschehen erörtert wird und Fragen zur gärtnerischen Gestaltung von Parkanlagen, alles Private und jede Erotik bleiben ausgeblendet. Augusta schätzte Pückler als geistreichen Gesellschafter sehr, einer Einladung nach Branitz folgt sie aber erst 1864, da ist sie inzwischen Königin von Preußen. Hier erlebt sie das "beste Dinner, an das sie sich erinnern kann". Wer schon einmal in Branitz war, das Esszimmer und die Tafelbücher Pücklers gesehen hat, kann sich das lebhaft vorstellen. Den Park in Branitz lobt sie ebenso wie sie ihren Park in Babelsberg als magisches Zauberstückchen gerühmt hatte. 
Pückler stirbt 1871, Augusta wird ihn als nunmehrige Kaiserin von Preußen fast 20 Jahre überleben, ihr Grab ist neben ihrem Mann im Mausoleum von Schloss Charlottenburg zu finden, in der auch Königin Luise, die Mutter ihres Mannes begraben liegt.

 

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