Vernissage zu einer Ausstellung von Lutz Jungrichter im Lausitzer Seenland Klinikum Hoyerswerda

Erstellt: Mittwoch, 15. November 2017 Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 15. November 2017 Geschrieben von Martin Schmidt

Abschied und Willkommen

Illustrationen von Lothar Sell zu Büchern von Erwin Strittmatter Die umgekehrte Folge des Titels von Goethes Jugendgedicht stimmt mit dem Rhythmus der Ausstellungen in der Kleinen Galerie des Lausitzer Seenland Klinikum Hoyerswerda durchaus überein: Am 07. November 2017 hieß es Abschied nehmen von den Bildern des Meißner Künstlers Lothar Sell. Mehr als zehn Wochen hatten sie Ärzte, Schwestern, Patienten, Betreuer, Besucher und Kunstfreunde Hoyerswerdas erfreut. Nun hieß es Abschied nehmen und die Räume mit Bildern des Bautzener Künstlers Lutz Jungrichter zu schmücken. Vorher wurde am 7.November eine Finissage gestaltet, zu der Dr.Manfred Schemel aus Cottbus die sehr zahlreich erschienen Gäste mit einer Lesung aus dem Briefwechsel zwischen Lothar Sell und Erwin Strittmatter erfreute. Deutlich wurde die geistige Nähe von Schriftsteller zu dem Illustrator seiner Bücher. Sie tauschten sich über inhaltliche Fragen aus, teilten sich Bedenken zu damals politischen Entwicklungen aus und bestärkten einander, dem einmal gewählten Weg treu zu bleiben.
Angela Potowski und Helene Schmidt vom Kunstverein, lasen Texte aus Strittmatters „Kalendergeschichten“ und aus „Zukunftsvisionen eines Radfahrers“ von Michail Sostschenko. Beide erschienen mit Illustrationen von Lothar Sell, die den Texten eigene Ironie verliehen. Die Zuhörer erfreuten die Texte so deutlich, dass Zugaben gefordert wurden. Damit war eine Gespräch eröffnet, das beide Künstler sehr erfreut hätte und durchaus dem Charakter der Literaturarbeit des Kunstvereins entsprach. Zu Beginn dieses Abends las Gundula Sell, die Tochter des Künstlers, ein Gedicht Strittmatters, das sich bei Ihrem Vater angefunden hatte. Damit schloss sich der Kreis dieser Begegnung mit zwei kongenialen Künstlern, an die sich die Hoyerswerdaer Kunstfreunde mit Freude erinnerten.

Willkommen 

Lutz Jungrichter (Mitte) zur Eröffnung seiner  seiner Ausstellung "Italienreise" hieß es am Montag, dem 13. November, in der kleinen Galerie des Seenland Klinikums zur Eröffnung der inzwischen fünften Ausstellung in anderthalb Jahren, diesmal mit Werken des Bautzener Künstlers Lutz Jungrichter. In der Geriatrischen Klinik begrüßte der Ärztliche Direktor, Professor Thomas Sutter, einen sehr großen Besucherkreis, der nochmals neue Verehrer der schönen Künste angezogen hatte. Die Wände der zwei langen gut ausgeleuchteten Flure zeigten sich Aquarelle, Pastelle, Zeichnungen, Acryl- oder farbige Kreide-Zeichnungen zum Thema „Italienreise“ des Bautzener Künstlers Lutz Jungrichter. Sie zogen die Besucher nicht nur in ihren Bann, sondern ließen sie immer wieder neue Gruppen intensiver Gesprächspartner bilden. Zur Eröffnung im Versammlungszentrum mussten sie gebeten werden. Dort begrüßte Professor Sutter als Hausherr, und David Brand, der Leiter der Hoyerswerdaer Musikschule schloss sich mit Klängen seines Saxophons an. Die Laudatio des Vorsitzenden des Hoyerswerdaer Kunstvereins, Martin Schmidt, berichtete vom Leben, Lernen und künstlerischer Entwicklung des Malers. Seinen Weg vom Fachmann für Gestaltung, der zeitweise seinen Lebensunterhalt als Bauhilfsarbeiter sichern musste, führte zielstrebig zu Malerei und Graphik. Als Vorbilder und Helfer wurden die große Dame der Bautzener Künstler Marianne Britze (1883 -1980), der Maler Harald Metzkes, Horst Bachmann und viele andere genannt. Zu diesem Kreis der Anreger und Förderer zählten auch Jan Buck, der Senior der sorbischen Maler, der Komponist Jan Raupp und der jüngst verstorbene Meister sorbischer Dichtkunst, Kito Lorenc. 
„Wir lebten wie in einem Nest, das wir miteinander bildeten,“ beschrieb Lutz Jungrichter das damalige Miteinander der Künstler in Bautzen, „wir bildeten einen Kreis von Künstlern, die sich gegenseitig unterstützten, von einander lernten, gemeinsam Ergebnisse auswerteten und einander vertrauten.“ Nach dem Fall der Mauer zog es Lutz Jungrichter nach Italien, er folgte seiner Sehnsucht wie Goethe einst. Damit war die Brücke zur Ausstellung gegeben. Gezeigt werden Venedig mit seinen engen Gassen an den Kanälen, Häuserfronten und kleine Szenen. Die Touristenattraktionen dieser und anderer italienischer Städte meidet der Maler. Nur gelegentlich seigen sich Menschen, die ihrem Leben nachgehen, sich sonnen oder ruhen. Der Maler versteht sich nicht als Reiseführer, er fängt die Atmosphäre dieser Stadt ein, das Auge des Betrachters ruht auf Farben, die in ihren vielfachen sanften Mischungen gefangen nehmen. Lutz Jungrichter meidet die schreienden, plakativen Farben. Das macht seine Bilder anziehend. Ein weiterer Teil der Galerien hält Landschaften der Toscana mit ihren ländlichen Siedlungen und Städten, umgeben von weiten Weingärten, von Pinienhainen, Zypressen und Olivenbäumen, unter denen sich anheimelnd Bauerngehöfte ducken. Lutz Jungrichter liebt die gebrochenen Farben, altrosa in zahlreichen Helligkeitsstufen, desgleichen grün, blau in vielfältigen Nuancen, desgleichen ocker. Gelegentlich konturiert er mit schwarz Bäume, Gebäude, Gegenstände oder Gestalten, verleiht den Bildern damit Spannung und Bewegung. Menschen sind nur gelegentlich und dann in kleiner Zahl zu sehen. Die vor den Bildern wandernden, diskutierenden und auch lobenden Besucher waren das schönste Willkommen, das den Bildern von Lutz Jungrichter geboten wurde. Nun können alle Freunde Italiens und der bildenden Kunst ins Klinikum gehen, sich erinnern oder träumen.

Professor Thomas Sutter (rechts) begrüßt als Ärztlicher Direktor die Gäste Lutz Jungrichter Impressionen aus Italien Lutz Jungrichter, Olivenbäume am Abend Lutz Jungrichter, Fenster in Venedig Vernissage Lutz Jungrichter, Laudator Martin Schmidt Lutz Jungrichter in Venedig Lutz Jungrichter in Venedig

 

 

 

 

 

 

 

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