Manfred Dietrich betrachtet die Geschichtsereignisse vor, um und nach Luther

Erstellt: Donnerstag, 02. November 2017 Zuletzt aktualisiert: Dienstag, 07. November 2017 Geschrieben von Christine Neudeck

Martin Luther - vom Mittelalter zur Neuzeit 

Manfred Dietrich, Schwepnitz, betrachtet die Geschichtsereignisse vor, um und nach Luther

Manfred Dietrich 2017 beim Hoyerswerdaer Kunstverein zum Thema Reformation Eine globale Neuorientierung, wie sie durch die Reformation am Anfang des 16. Jahrhunderts in Gang gesetzt wurde, kann nur geschehen, wenn es in der Gesellschaft knistert und bröckelt. Und wenn dann einer wie Martin Luther eine Zündschnur legt, entsteht ein Weltbrand, der nicht zu löschen ist. 
Manfred Dietrich schaffte einen umfassenden Einblick in die Lebenszeit Luthers vor und nach der Jahrhundertwende im Jahr 1500. Wie sahen die Machtverhältnisse vorrangig in Europa aus, woran glaubte man, wie war die Rangstellung in der Gesellschaft, welche Techniken standen der gesellschaftlichen Kommunikation zur Verfügung? Welchen Anspruch formulierte Martin Luther? Wer war ihm in der theologischen Disputation schon voraus gegangen? Erst durch diesen Einstieg in eine andere Zeit, kann man auch das verstehen, was uns heute am Wirken Martin Luthers einerseits fasziniert und andererseits als falsch erscheint.
Wir tauchen ein in das Europa um 1500, es gibt, wie immer, Machtkämpfe "ohn Unterlass". Das Heilige Römische Reich, später mit dem Zusatz deutscher Nation, war ein Konglomerat größerer und kleinerer Fürstentümer in ganz Europa, in dem interne Machtkämpfe an der Tagesordnung waren. Dem gegenüber standen gefestigte große Königreiche, wie Frankreich England, Polen und Litauen, Russland, das Skandinavische Bündnis oder das Osmanische Reich. Dominiert wurde das Heilige Römische Reich von den Habsburgern, aus deren Reihen die meisten Könige bzw. Kaiser dieses Reiches kamen, gewählt von 7 Kurfürsten, 4 weltlichen und 3 kirchlichen Fürsten. Den letzten Segen erteilte der Papst. 1520 wurde Karl V. Kaiser im Heiligen Römischen Reich und berief 1521 den Reichstag von Worms ein, um die durch die Thesen Martin Luthers entstandene Unruhe im Reich in den Anfängen zu ersticken. Zu diesem Zeitpunkt war Karl V. 21 Jahre alt. 
Die von Martin Luther, dem einfachen Augustiner Mönch, 1517 veröffentlichten 95 Thesen richteten sich massiv gegen die Praktiken des Papsttums, besonders die des Ablasshandels. Geistige Vordenker, wie John Wyclif, Jan Hus, Erasmus von Rotterdam oder der Mitstreiter Luthers, Philipp Melanchthon, schrieben kluge Sätze über den Umgang mit dem Glauben an ihren Gott, der keine Vermittler brauchte, für die vor Gott jeder gleich war.
Aber erst Martin Luther konnte das vorbereitete Wissen auch physisch gegen Rom durchsetzen. Es war ein Weg, für den er einen langen Atem brauchte. Das wird deutlich, wenn man die Geschichte des Papsttum kennt, die Manfred Dietrich ausführlich darlegte, von der Christenverfolgung unter Nero und die Anerkennung des Christentums als Staatsreligion unter Konstantin, die Geschichte der römischen Bischöfe, die sich zu Päpsten als Stellvertreter Gottes auf Erden erhoben, die Spaltung in die Ostkirche mit Sitz in Konstantinopel und die Westkirche mit Sitz in Rom. 
Die Voraussetzung für den Erfolg Luthers war auch eine rein technische, die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern durch Johannes Gutenberg. Seine ursprünglich in lateinischer Sprache als Brief an Albrecht von Brandenburg verfassten Thesen kamen in verschiedenen deutschen Übersetzungen als gedruckte "Flyer" in die deutschen Lande und sprachen eigentlich nur das aus, was vielen schon lange ein Stein des Anstoßes gegen Rom war. Kaiser Karl V. befürchtete zu Recht größere Unruhen in seinem Reich, in dem die Sonne niemals untergehen sollte. Der Reichstag zu Worms sollte endgültig jeden Aufruhr unterdrücken. Doch es kam anders: Kaiser und Kurie forderten die Todesstrafe für den Ketzer Luther, der sächsische Kurfürst Friedrich III. , genannt der Weise, forderte beim Kaiser das versprochene freie Geleit ein und erinnerte den Kaiser daran, dass er selbst auf die Königswürde zugunsten Karls V. verzichtet hatte. Nach einer durch Friedrich den Weisen inszenierten Entführung lebt Luther als Junker Jörg auf der Wartburg, übersetzt das Neue und Teile des Alten Testaments ins Deutsche, in einer Sprache, die in deutschen Landen zur Grundlage einer einheitliche Sprache wurde und die durch die vielen anschaulichen Wortschöpfungen und Sinnsprüche die Leser begeisterte und die uns bis heute begleiten. 
Manfred Dietrich erläutert die theologischen Glaubensgrundsätze Luthers, welche zur Grundlage der evangelischen Kirche werden, die sich allein auf das Evangelium beruft. Dazu gehören sola gratia - allein durch die Gnade Gottes kann der Mensch errettet werden, sola fide - allein durch den Glauben erlangt der Mensch Vergebung, nicht durch Ablass und gute Werke, sola scriptura - allein der Heiligen Schrift ist ein Christ verpflichtet und nicht einem Gesetz aus Rom, solus christus - allein Christus ist der Maßstab, weder der Papst noch Maria oder andere von Rom ernannte Heilige. Die Reformation wurde zum Umsturz, der das Mittelalter endgültig ablöste.
Eine Geschichtsstunde von Manfred Dietrich, die den Zuhörern gefallen hat und die eine weitere interessante Sicht auf Martin Luther und die Reformation zum Inhalt hatte.

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