Alida Bremer liest aus ihrem Roman "Olivas Garten"

Erstellt: Freitag, 08. September 2017 Zuletzt aktualisiert: Dienstag, 19. September 2017 Geschrieben von Martin Schmidt / Christine Neudeck

Alida Bremer begeister Schüler des Lessing-Gymnasiums

Alida Bremer und Mirko Schwanitz diskutieren mit Schülern des Lessing-Gymnasiums Hoyerswerda über Szenen des Romans "Olivas Garten" Auf Einladung von Schulleiterin Katharina Michelfeit gestaltete der Hoyerswerdaer Kunstverein und die Robert Bosch Stiftung eine Lesung für Schüler der zehnten Klassen im Lessing-Gymnasium Hoyerswerda aus dem Roman „Olivas Garten“ am 08. September 2017 mit dessen Autorin Dr. Alida Bremer. Die Schulleiterin begrüße die Gäste freundlich, stellte das Gymnasium und dessen vertieftes musisches Profil vor. In der Aula erwarteten voller Spannung ca. 100 Schüler der zehnten Klassen die Gäste: Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Kroatischen, Serbischen und Bosnischen, um von dem Gast aus Dalmatien zu hören, was sie von den Kriegen auf dem Balkan zu erzählen wusste, mehr jedoch noch von den Sitten, dem Zusammenhalt der Familien und den Belastungen der Kämpfe der verschiedenen dort lebenden Völker vor und nach den Kriegen. Alida Bremer las einige Passagen aus ihrem Buch, in denen besonders das Schicksal von Kindern und Jugendlichen in den Balkan-Kriegen des 20. Jahrhunderts erzählten.
Ein Kapitel berührte die Zuhörer, die glücklicherweise keinen Krieg erlebt hatten, sichtlich. Alida Bremer las von einer Partisanengruppe, in deren Versteck ein Kind geboren wurde. Da es zu schreien begann und  sich nicht beruhigen ließ, stand der Leiter vor der Entscheidung – entweder das Baby werde still gestellt oder die ganze Gruppe wird verraten und ermordet. Diese Szene sei authentisch, erzählte die Autorin, denn zahlreiche Zeugen ihrer Familie hatten es miterlebt. Im Saal stockte allen der Atem. Mirko Schwanitz, der Moderator, befragte die jungen Zuhörer, was sie getan hätten in dieser furchtbaren und leider wahren Situation. Die Júgendlichen waren sichtlich betroffen von der Frage, ob das Leben eines einzelnen Kindes weniger wert sei als das einer ganzen Gruppe. Nach kurzer Pause des Bedenkens begannen einige Schüler zu antworten. Es waren kluge, menschlich großartige Erwägungen, die Nachdenken über das Menschsein bewiesen und die Last der Verantwortung nicht minderten, sondern vielmehr verantwortungsbewusst nach einer Lösung suchten. Alida Bremer hatte ihre Zuhörer in ein Nachdenken hinein geführt, von dem alle Älteren wünschen, dass den jungen Leute solche Situationen im Leben erspart bleiben, aber auch dass die Fächer Ethik und Religion keine toten Lernfächer sind, sondern das Nachdenken über Verantwortung und Zivilcourage wecken und stärken sollen. Mehrere solcher knifflichen Entscheidungen bot das Buch den Gymnasiasten, weckte deren Neugier und ließ sie mit anderen Augen auch auf die Geschichte der schönen Urlaubsregion des Balkan mit seiner Geschichte blicken. Nicht nur das Sonnenparadies erwartet dort die Gäste, sondern auch auf seine tragische Geschichte, die mit Kriegen bis in dieses Jahrhundert hinein reicht. Das Buch und seine Autorin in ihrer freundlichen Zuneigung regte an neben dem Badespaß auch die großartige, Jahrtausende alte Kultur jener Länder als Teil der europäischen Geschichte zu schätzen. Die weitgereisten Gäste äußerten sich begeistert über die Aufmerksamkeit der Schüler und Frau Michelfeit, die Direktorin, sandte den Besuchern einen Brief mit freundlichen Grüßen und herzlichem Dank für ihren Besuch. Martin Schmidt

Kroatien und die Olivengärten beim Kunstverein

Alida Bremer liest aus ihrem Roman "Olivas Garten", Mirko Schwanitz moderiert. Eine Veranstaltung des Hoyerswerdaer Kunstvereins, unterstützt von der Robert-Bosch-Stiftung Bonn.

Alida Bremer und Mirko Schwanitz zur Lesung in Hoyerswerda, 2017 Wenn man Alida Bremer zuhört, erschließt sich vor dem geistigen Auge die farbenfrohe mediterrane Welt der Adria, mit all ihren Gerüchen, prächtigen Blumen, verführerischen Speisen und mit Menschen, die mit ihrer Welt verwurzelt sind, denen weder die Meeresstürme, noch die Stürme der Zeitenläufe ihre innere Ruhe nehmen können. Wir sind mitten im Balkan, in Kroatien.
Hier ist Alida Bremer 1959 in Split geboren, hier lebt ihre Familie, sie selbst ist nach Studien in Belgrad, Rom, Saarbrücken und Münster in Deutschland geblieben und lebt seither in Münster. Heute arbeitet sie als freie Schriftstellerin und Übersetzerin.
Ihre Studienrichtungen waren Vergleichende Literaturwissenschaften, Romanistik, Slawistik und Germanistik. So verwundert es nicht, dass ihr erster Roman "Olivas Garten" von all diesen Studien etwas widerspiegelt, wobei Kroatiens ihr Heimat- und Sehnsuchtsland bleibt, das Land, das in den Balkankriegen der letzten Jahrzehnte destruiert wurde, bis an den Rand des Exitus. Deshalb ist die Geschichte Olivas, der Großmutter, die einen Olivenhain an die Enkelin vererbt, auch die Geschichte vor allem der Frauen dieses Landes, eine Geschichte, die "bitter und würzig ist wie die Oliven".
Alida Bremer liest aus ihren gut recherchierten sprachlichen Miniaturen dieses Buches mit viel Wärme und Anteilnahme, die sich auf die Besucher überträgt. Mirko Schwanitz schafft brillante Übergänge, die er mit eigenem Erleben in diesem Land verbinden kann, da er zu jeder Lesung der "GrenzgängeR" akribisch vorbereitet ist und über kulturelles und politisches Wissen der Länder Osteuropas verfügt, denen diese Lesereihe gewidmet ist.
Olivas Garten ist also eine Olivenhain, den nun die Enkeltochter, die in Deutschland lebt, erben soll. Erste Hürde auf diesem Weg sind die Ämter, die kaum brauchbare Nachweise über Eigentümer führen, vieles wird mündlich, per Handschlag verabredet und bleibt dann über Jahrhunderte so. Der Gang durch die Bürokratie wird zur Odyssee. Eine Odyssee , die tatsächlich bei Odysseus zu beginnen scheint, und so entsteht ganz nebenbei das geschichtliche Bild eines Landes, fruchtbar an den schönsten Küsten der Adria gelegen, das Begehrlichkeiten weckt: bei den Griechen und Römern, bei den Osmanen, den Ungarn und den Habsburgern, bei den deutschen Nationalsozialisten, den jugoslawischen Königen, bei den Partisanen und Tito, bei allen heutigen "Inverstoren", die billig einkaufen und teuer verkaufen wollen. Ein Fazit des Romans, die Kroaten können das alles ertragen, am Ende stehen sie auf und beginnen neu, maßgeblich getragen von den Frauen.
Eine Erbin, nicht eines Olivenhains, sondern des geistigen Erbes diese Landes, Alida Bremer, wird sicherlich in weiteren Büchern vom "Strudel der Geschichte" ihres Landes erzählen und diesem ein Gesicht geben, das so farbenfroh ist wie die Küstenlandschaft an der Adria und einen poetisch-kritischen Fokus auf Land und Leute werfen - auf Kroatien.  Christine Neudeck

 

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