Sonntags-Matinee zu dem Thema: Martin Luther im Spiegel der Literatur

Erstellt: Sonntag, 26. März 2017 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 01. April 2017 Geschrieben von Katrin Demczenko

Martin Luther - "beständiger Gottsucher"  

(Zitat von Sybille Lewitscharoff)

Matinee zu Luther im Spiegel der Literatur. Es lasen Helene Schmidt, Barbara Kegel, Angela Potowski und Christine Neudeck, v.r. Die vergangene Sonntags-Matinee des Hoyerswerdaer Kunstvereins im Schlosssaal beleuchtete das sich über die Jahrhunderte wandelnde Bild des Reformators Martin Luther. Helene Schmidt und Christine Neudeck vom Verein hatten dazu Aussagen deutscher Schriftsteller von Johann Gottfried Herder bis Sybille Lewitscharoff, vom Philosophen Friedrich Nietzsche und dem Literaturwissenschaftler Walter Killy zusammengestellt. Sybille Lewitscharoffs Text von 2017, den die Autorin bisher nur im NDR-Radio gelesen hat, war eine Premiere für die Matinee, erzählte Christine Neudeck. Das Blockflötenquintett aus Johanna Pitterling und Anna Burges sowie den Söhnen des evangelischen Pfarrers Heinrich Koch aus Hoyerswerda brachte Lieder von Luther zu Gehör.
Sein wichtigster Choral war zweifellos "Ein feste Burg ist unser Gott", mit dem er singend auf dem Reichstag zu Worms 1521 einzog, wie Heinrich Heine überlieferte. Vor dem jungen Kaiser Karl V. durfte Martin Luther seine 95 Thesen erklären, die er 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen hatte. Heine äußerte zu der Reichstags-Versammlung, dass alle Anwesenden von persönlichen Vorteilen träumten, die ihnen Luthers neue Lehre einräumen würde. Nur dem Reformator sei es damals ausschließlich um die Erneuerung der Kirche gegangen. "Indem Luther den Satz aussprach, daß man seine Lehre nur durch die Bibel selber, oder durch vernünftige Gründe widerlegen müsse, war der menschlichen Vernunft das Recht eingeräumt, die Bibel zu erklären", verlas Helene Schmidt aus Heines Schrift "Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Flötenquintett spielt Lieder von Martin Luther: Johanna Pitterling, Anna Burges, sowie Karl Christian, Johann Heinrich, und Philipp Simon Koch. Deutschland". Der wortgewaltige Luther überzeugte den Kaiser nicht. Dieser sprach gegen ihn die Reichsacht aus, wie schon vorher der Papst den Kirchenbann. Fürsprecher retteten den Reformator, nachdem er Worms verlassen hatte, und nur deshalb konnte er auf der Wartburg die Bibel vom Lateinischen ins Deutsche übersetzen.
Helene Schmidt verlas aus Thomas Manns Rede, die dieser zu seinem 70. Geburtstag gehalten hatte, unter anderem: "Er (Luther) hat ... durch seine gewaltige Bibelübersetzung die deutsche Sprache erst recht geschaffen, die Goethe und Nietzsche dann zur Vollendung führten... " Damit würdigte Thomas Mann im Jahr 1945, dass Luther die vielen Dialekte im deutschen Sprachgebiet zu einer Schriftsprache vereinheitlicht hat, der sich heute in weiterentwickelter Form alle deutsch sprechenden Menschen bedienen und die bedeutende Literatur hervorbrachte und -bringt.
Angela Potowski brachte Sybille Lewitscharoffs Text von 2017 zu Gehör, in dem die Autorin unter anderem den Menschen Martin Luther beschrieb. Zwei Charakterzüge "waren ihm wohl zueigen - die der polternden Stärke und zugleich eine Fähigkeit, sich in sich zu versenken, um als beständiger Gottsucher Gewissheit zu erlangen über das eigene Suchen und Streben." Sybille Lewitscharoff bezeichnete die von Luther "in knappen Sätzen" übersetzte Bibel als "wichtigste geisteserhellende Schrift, die es auf Erden gibt".
Barbara Kegel las aus Friedrich Nietzsches Aufsatz "Luther und das beschaulich-zurückgezogene Leben" unter anderem vor, dass Luther die Kirche angriff, um sie wiederherzustellen. Er verursachte ihre Spaltung gegen seinen Willen. Schon Johann Wolfgang von Goethe hatte sich in seinem Text "Zum 300. Jubiläum der Reformation" eine Wiedervereinigung der Christen gewünscht, so Angela Potowski. Außerdem hatte der Dichter formuliert, dass "alle nach und nach aus einem Christentum des Wortes und Glaubens immer mehr zu einem Christentum der Gesinnung und der Tat kommen." An dieser Aufgabe haben die Menschen noch heute zu arbeiten, erkannten die Besucher der Veranstaltung.

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