Sternstunden der Menschheit, geschrieben von Stefan Zweig, gelesen von Uwe Jordan

Erstellt: Donnerstag, 09. Februar 2017 Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 15. Februar 2017 Geschrieben von Christine Neudeck

Sternstunden der Menschheit und der Literatur

Uwe Jordan liest Stefan Zweig Uwe Jordan - Lesung zu Erzählungen von Stefan Zweig(1881 -1942)

In 14 historischen Miniaturen von Stefan Zweig erlebt der Leser außergewöhnliche Momente der Geschichte, die als besondere Leistungen Einzelner für Staunen und Aufregung sorgten, im Gedächtnis der Menschheit aber mehr und mehr verblassen. 
Stefan Zweig schrieb mit seinem Buch "Sternstunden der Menschheit" gegen dieses Vergessen an, das war am Anfang des zwanzigsten Jahrhundert. 
Hier und heute sorgte Uwe Jordan dafür, dass wir an diese Sternstunden erinnert werden, aber an diesem Abend in erster Linie an den Dichter Stefan Zweig. 
Stefan Zweig wurde 1881 in Wien geboren, lebte in einem wohl situierten Elternhaus, studierte in Wien Philosophie, promovierte und begann Gedichte und Erzählungen zu schreiben. Als Broterwerb schrieb er für verschiedene Zeitungen und arbeitete als Übersetzer.
Die "Sternstunden der Menschheit", geschrieben 1927, wurden von Beginn an ein großer Erfolg. Allen Miniaturen ist ein gleicher Grundton aus Tragik, Drama, Melancholie und Resignation eigen. Diese treffend komprimierte Formulierung fand Uwe Jordan erstaunlicher Weise bei Wikipedia. Bei allen in den Miniaturen beschriebenen Persönlichkeiten sorgte ein Moment in ihrem Leben für Euphorie und Rausch, schicksalsträchtig und genial. Im Vorwort von Stefan Zweig liest sich das so: "Was ansonsten gemächlich in der Zeit nacheinander und nebeneinander abläuft, komprimiert sich in einen einzigen Augenblick, der alles bestimmt und alles entscheidet: ein einziges Ja, ein einziges Nein, ein Zufrüh oder ein Zuspät macht diese Stunde unwiderruflich..." 
Diese Momente werden für die Menschheit überdauern, nicht immer aber im Leben derjenigen, die sie initiierten, deren Leben endet oft gewaltsam oder in Bedeutungslosigkeit und Resignation. Zu lesen ist von der Entdeckung Eldorados, als in Kalifornien über die Besitzungen des deutschen Johann August Suter der Goldgräberstrom hereinbricht und Suter vom reichsten zum ärmsten Mann werden lässt. Oder vom versiegelten Zug, in dem Lenin von der Schweiz durch Deutschland fährt, unterstützt von der deutschen Heeresleitung, die von Lenin die Beendigung des Krieges zu ihren Gunsten erhofften. Doch es kam anders es folgten "zehn Tage, die die Welt erschütterten". Schicksale werden beschrieben, wie der Kampf um den Südpol, bei dem Kapitän Robert Scott zu spät kommt und den Tod vor Augen erschütternde Abschiedsbriefe schreibt, „in einer Menschheit, für die der erste alles ist und der zweite nichts“. 
Von den weiteren ebenfalls lesenswerten Miniaturen brachte Uwe Jordan die "Flucht in die Unsterblichkeit" gekonnt zu Gehör. Der erste Europäer, dessen Augen gleichzeitig Atlantik und Pazifik erblickt hatten, war Vasco Núñez de Balboa, ehemals Rebell gegen den König von Spanien, nun auf der Flucht, einer Flucht, die er zur Unsterblichkeit umwandeln will. Allen Unbilden einer gewagten Reise trotzt er, zuerst über den Ozean, dann an der Landenge von Panama über steile Hänge, durch Sumpf und Tropenhitze bis an das Mar del Sur, den heutigen Pazifik. Seinen Triumpf kann er trotz völliger Erschöpfung noch wirksam vor den wenigen übrig gebliebenen Mitstreitern zelebrieren. Einen weiteren Erfolg will er hinzufügen, indem er das goldene Land Birú - Peru erobert. Doch Spanien ist weit und Neider sind nahe, so dass er gedemütigt und betrogen auf dem Schafott endet.
Ähnlich tragisch wie das seiner Protagonisten endet das Leben Stefan Zweigs am 23. Februar 1942 im brasilianischen Petrópolis. 
In seiner Heimat und im Ausland durch viele weitere Bücher und durch ein unermüdliches Wirken für ein geeintes Europa berühmt geworden, war es Stefan Zweig nicht vergönnt, eine friedliche Welt zu erleben, die er als glühender Pazifist und "Jude aus Zufall" erträumt hatte. In Vorahnung dessen, was kommt, verlässt er Österreich und gelangt von Salzburg über London nach Brasilien. Seine Bücher werden in Deutschland verbrannt. 
Im Exil ist er seinem geistigen Umfeld und der deutschen Sprache beraubt, einer Sprache, die er so brillant beherrschte, wie kaum ein anderer. Er scheidet seelisch gebrochen gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Charlotte freiwillig aus dem Leben.
Uwe Jordan kann nur wünschen und hoffen, dass die Zuhörer des Abends Bücher von Stefan Zweig neu oder mit neuem Blickwinkel lesen, Spannung und exzellente Sprache garantiert.

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