Gesprächsrunde in der Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte zur Erinnerung an den Todestag von Brigitte Reimann vor 43 Jahren

Erstellt: Samstag, 20. Februar 2016 Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 24. Februar 2016 Geschrieben von Christine Neudeck

Episoden im Wohnzimmer

Irmgard Weinhofen beim Eintrag ins Gästebuch

Vielleicht sind in meinem Buch drei schöne Sätze, ein neuer Gedanke Brigitte Reimann 1967

Das Besondere an der Schriftstellerin Brigitte Reimann ist ihre gleich zweifache Ausstrahlung. Augenzeugenberichten zufolge konnte sie alle, die ihr begegneten, in ihren Bann ziehen und zu einem leidenschaftlichen Diskurs herausfordern. Ebenso intensiv erlebt man sie in ihren Büchern und Tagebüchern. Eine kluge junge Frau, die mit der Sprache genau so schwärmerisch umgeht wie mit ihren Emotionen, "mal ganz oben und mal ganz unten war", wie man in ihrem Vermächtnis lesen kann.
In die Begegnungsstätte waren anlässlich des Todestages von Brigitte Reimann, dem 20. Februar 1973, Literaturbegeistere aus ganz Deutschland gekommen, so dass es in dem Raum, der die Größe des ehemaligen Wohnzimmers von Brigitte Reimann und Siegfried Pitschmann hatte, ziemlich eng wurde.
Prominenter Gast war Irmgard Weinhofen, die langjährige Freundin, die ab 1955 in Amsterdam lebte und bis 1973 mit Brigitte Reimann Briefe wechselte, die in dem Buch "Grüß Amsterdam" seit 2003 nachzulesen sind.
Ein großer Dank an sie, die trotz aller Beschwerden des Alters von Berlin angereist war. Sie ist eine begabte Erzählerin und so begeisterte sie auch an diesem Nachmittag die Zuhörer so, als ob das Geschehen lebendig und gegenwärtig vor Augen stünde.
Man folgte ihr und Brigitte Reimann zu einer ersten Begegnung in die Physiotherapie in Burg und lachte mit ihnen, weil sie zu eitel waren, einen Stock zu benutzen, in ärztlicher Behandlung die eine wegen einer Nervenlähmung, die andere wegen einer Kinderlähmung. Das war 1948. Die Freizeit wird nunmehr gemeinsam organisiert, Tanzabende, Gaststätten und die "Flaniermeile Gesprächsrunde mit Irmgard Weinhofen in der Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte Hoyerswerda am 43. Todestag von Brigitte Reimann Schartauer Straße" in Burg sind die Treffpunkte. Allerdings gab es einen für die DDR gravierenden Unterschied, Irmgard war Arbeiterkind und Brigitte gehörte zum bürgerlichen Milieu. Nichts desto trotz feierte man mit Wodka, Zigaretten der Marke Karo, mit Speck und Gurken einen wunderbaren Silvesterabend.
In dieser Zeit entstanden die ersten Erzählungen Brigitte Reimanns: "Meine Stadt steckt voller Geschichten". Und voller Geschichten war das weitere gemeinsame Leben der beiden klugen, schönen und leidenschaftlichen Frauen bis 1973, die Irmgard Weinhofen sehr lebendig erzählte und die auch in dicken Büchern nachzulesen sind, dann aber nicht ganz so lebendig wie im direkten Gespräch.
Der Titel dieser ersten Erzählungen von Brigitte Reimann war auch das Thema des Reimann-Wettbewerbs für junge Leute im Jahr 2011 in Hoyerswerda , bei dem junge Menschen unserer Stadt der Schriftstellerin nacheiferten. Und sie fanden in den Büchern der Reimann viele schöne Sätze zu ihrem bewegtem Leben, zu Literatur und Politik und zur Arbeit eines Schriftstellers. Den klugen Gedanken der Autorin fügten sie eigene Sichtweisen und Erlebnisse hinzu, kritisch und hoffnungsvoll, voller Zweifel und voller Selbstvertrauen. Mehr kann ein Schriftsteller nicht leisten.

Mit freundlicher Genehmigung von Sächsische Zeitung, Hoyerswerdaer Tageblatt.

Zu den Gästen zählten auch Dr. Sabine Egger und Dr. Erik Franzen, die zur Zeit an einem Forschungsprojekt des Collegium Carolinum München arbeiten und der Frage nachgehen, was in den Liedern Gundermanns der Begriff Heimat bedeutet und bewirkt. Gekommen waren auch der Journalist und Literaturfreak Uwe Jordan und ein Student der Geschichte aus Magdeburg, Karsten Zamzow, der sich als Abschlussarbeit ein Thema über die Künstler des Bitterfelder Weges ausgesucht hat.

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