Abschied von Waltraud Skoddow, sie war Gründungsmitglied des Hoyerswerdaer Kunstvereins

Erstellt: Freitag, 03. Oktober 2014 Zuletzt aktualisiert: Freitag, 03. Oktober 2014 Geschrieben von Martin Schmidt

Die Liebe zu Büchern und zur Lausitz

Am Sonntag, dem 28. September starb die Hoyerswerdaer Schriftstellerin Waltraut Skoddow. Sie gestaltete vor 50 Jahren die Anfänge des Freundeskreises der Künste und Literatur mit, der zahlreichen Neubürgern Heimat und Gesprächsanregungen bot..
Waltraud Skoddow (links) nach einer Lesung von Gundula Sell beim Hoyerswerdaer Kunstverein „Man braucht Erlebnisse…Man braucht Wissen und Erfahrung und das lernt man eben nicht nur aus Büchern“, schrieb Waltraut Skoddow, die allerdings auf vielfache Weise mit Büchern lebte: Von früher Jugend an sammelte sie diese um sich, erlernte den Beruf einer Bibliothekarin für wissenschaftliche Bibliotheken und schrieb seit ihrem dreißigsten Lebensjahr selbst Erzählungen und Romane. Seit 1988 ihr erstes Buch „Ein Mann fürs Leben“ erschien, sammelte sich schnell ein Kreis der Bewunderer um sie. Erlebnisse wie sie sie schilderte, waren den Bürgern aus dem Alltag, aus dem Leben in dieser neuen, schnell gewachsenen Stadt vertraut. Mancher entdeckte bekannte Situationen, einige meinten in den Protagonisten andere Bürger zu erkennen. Später fesselten sie Erinnerungen aus der Geschichte von Stadt und Region, wie „Prinz Friedrich August von Sachsen – genannt Lehmann“ . Ein Roman der im Jahr 2000 erschien und den angeblichen Tausch eines schwächlich geborenen Prinzen gegen einen kräftigen Landsäugling, einem unbewiesenen Gerücht, literarischen Rang verlieh. Ihm folgte 2007 „Lessing – Ich bin ein Oberlausitzer von Geburt“, das den berühmten Landsmann aus Kamenz lebensnah schilderte. Der Plauderton und die Freude an Episoden, die der Alltag bereit hat - die den einen Leser erfreuten, den andere verwunderten - gestaltete sie zu „Lausitzer Kram“. Der Titel war keine Herabwürdigung, die Autorin nahm nur den unbefangenen Ton des heiteren Miteinanders unserer Region auf. Mit ihrem in zweifacher Auflage gedruckten Buch „Das überleben sie nicht“ (2005 und 2011) und dem bereits 1999 erschienenen Buch „Zu keinem ein Wort“ thematisierte sie Missverständnisse im Umgang miteinander, die sie bedrückten.
Waltraut Skoddow kannte die Region, sie war in Knappenrode zur Schule gegangen, dann hatte sie das Lessing-Gymnasium absolviert, fünf Kindern das Leben geschenkt und von 1979 -1983 ein zweites Studium am Literaturinstitut Leipzig erfolgreich absolviert. Sowohl die Erweiterung der Altstadt, der Bau des Kombinates Schwarzer Pumpe als auch das schnelle Wachsen der Neustadt waren ihr bekannt. Sie war mir den Sitten beider Stadteile und deren Bewohnern vertraut, pflegte die Freundschaft mit ihnen und bot Neuankömmlingen Heimat. Dank ihrer Hilfe entwickelte sich der Freundeskreis der Künste und Literatur, der heutige Hoyerswerdaer Kunstverein, zu einem Gesprächszentrum, der das gemeinsame Anliegen, mit Büchern und den Künsten zu leben, fortsetzt. Ihre Freunde nehmen traurig, mit Achtung vor ihrem Leben und Werk, Abschied.

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