Buchpremiere zum Abschluss 2. Reimann-Wettbewerb, Rede Irmgard Weinhofen

Erstellt: Dienstag, 07. Februar 2012 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014 Geschrieben von Kunstverein

Buchprämiere am 22.01.2012 im Schloss Hoyerswerda Am  22. Januar 2012 wurde das Buch  „Meine kleine Stadt steckt voller Geschichten“ des Hoyerswedaer Kunstvereins vorgestellt, mit allen Beiträgen der beteiligten Schüler. Neben den Schülern waren der Schirmherr des Wettbewerbs, Oberbürgermeister der Thomas Reimann und Ullrich Reimann  v.l. Stadt Hoyerswerda, Stefan Skora, von der Regionalstiftung Kunst & Kultur Haiko Lachmann, von der Ostsächsischen Sparkasse Frau Dr. Müller anwesend. Ehrengäste waren neben anderen auch Ullrich Reimann, der Bruder vob Brigitte Reimann und Thomas Reimann, der Bildhauer für das Reimann-Zeichen im neuen Stadtpark von Hoyerswerda. Die Ostsächsiche Sparkasse sponserte den Druck des Buches.

Irmgard Weinhofen zur Buchprämiere „Meine kleine Stadt Steckt voller Geschichten“ - Rede von Irmgard Weinhofen zu Buchprämiere 

Sehr verehrter Herr Bürgermeister, liebe vertraute Freunde des Kunstvereins, liebe Literaturfreunde, liebe junge Leute!
Ich begrüße Sie sehr herzlich, freue mich, wieder zu einem so schönen Anlass in Ihrer Stadt zu sein. Den jungen Leuten bin ich besonders verbunden, denn heute gehört ihnen diese Feierstunde. Meinen kleinen Speech möchte ich – vielleicht für einen Gast etwas ungewöhnlich – ebenfalls mit einem Dank beginnen. Und zwar: allen Beteiligten möchte ich danken, den Initiatoren, den Gestaltern, den Unterstützern des Ganzen, die es ermöglicht haben, nach dem so gelungenen 1. Schülerwettbewerb unter dem Motto „ Briefe an Franziska Linkerhand“ einen zweiten durchführen zu können. Dieser Erfolg wird heute hier in Form dieser Buchpremiere präsentiert.
Schüler schreiben nach dem Beispiel von Brigitte Reimann  
Mein Dank möchte ich jedoch nicht nur auf die beiden Schülerwettbewerbe beschränken, sondern hierbei alle wunderbaren, stets auf hohem Niveau stattfindenden Kulturveranstaltungen des Kunstvereins Ihrer Stadt einschließen, die dem ehrenden Andenken meiner Freundin Brigitte Reimann gewidmet sind, ihr ein hohes nationales und internationales verschafft haben. Ich möchte besonders hervorheben, auf welche Weise, wie Sie hier in Hoyerswerda ihr literarisches Erbe nutzen und bewahren. Der 2. Oberbürgermeister Stefan Skora und Martin Schmidt, Vorsitzender des Kunstvereins Hoyerswerda  v.l. Schülerwettbewerb stand unter dem Motto „Meine kleine Stadt steckt voller Geschichten“, einem Satz der damals blutjungen Schriftstellerin, geschrieben im Romanfragment „ Das Mädchen auf der Lotosblume“. Vor wenigen Tagen las ich den Text aus den 50iger Jahren wieder. Ich erlebte das einstige Burg bei Magdeburg noch einmal. Diese Geschichten, zu Literatur geworden, atmen geradezu noch das einstige Flair ihrer Heimatstadt. Beim Wiedererkennen so mancher Begebenheit musste ich schon schmunzeln, manchmal selbst laut lachen. Woher nahm Brigitte nur all diese Geschichten? Sie besaß eine scharfe Beobachtungsgabe, hatte ein einzigartiges Gedächtnis, verstand zuzuhören und sie konnte schreiben! All das beflügelte ihre reiche Phantasie, mit der sie die tollsten literarischen Bilder entwarf. Denn in dem damaligen Industriestädtchen pulsierte das Leben. Täglich geschah etwas Neues, Ungewöhnliches, ereigneten sich stets neue, auch tragische Geschichten. Und vergessen wir nicht, sie überliefern uns ein Stück Zeitgeschichte! Dass dieser Satz „Meine kleine Stadt steckt voller Geschichten“, auch ihre Phantasie, liebe junge Leute, anzuregen vermochte, einmal selbst solchen kleinen Geschichten im heutigen Hoyerswerda nachzugehen, sie aufzuspüren, aufzuschreiben, zeigt die Parallität zwischen Burg von einst zu Hoyerswerda heute auf so faszinierende Weise. Das Resultat Ihrer Neugier, liebe junge Menschen, habe ich während meiner Mitarbeit in der Jury erfahren können. Es bereitete mir riesiges Vergnügen, Ihre Erlebnisse, Ihre Gedanken zu lesen. Sie haben wunderschöne Geschichten geschrieben! Die beeindruckendsten aber waren für mich, welche über die Liebe zu Ihrer Stadt erzählten, in dem großen Umwandlungsprozess dieser Zeit.
Sie haben eine Symbiose zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Gestern und Heute, gefunden, mit der die Literatur der Brigitte Reimann erschließbar und vor allem w i r k s a m bleibt. Diese Schülerwettbewerbe sind eine großartige Möglichkeit junge Talente – neben der Literatur auch andere Kunstrichtungen – zu entdecken, die es wert sind, weiter gefördert zu werden. Man sollte diese Wettbewerbe fortführen, wobei es eine Freude ist vom Herrn Oberbürgermeister zu hören, sich seiner zukünftigen Schirmherrschaft wiederum sicher zu sein.
Auch in Burg beginnt eine neue Sicht auf Brigitte Reimann
Als Abschluss will ich Sie doch noch einmal kurz in die kleine Stadt Burg zurückführen. Ich möchte Ihnen nämlich von einer kleinen Begebenheit erzählen, die, wie ich meine, hier einfach dazugehört. Vor wenigen Tagen rief mich ganz unerwartet eine alte Bekannte aus Burg an. Ich berichtete ihr, ich würde in den nächsten Tagen wieder nach Hoyerswerda fahren. Und Brigitte war selbstverständlich unser Thema. Daraufhin erzählte, fragte sie, ob ich zu folgendem Sachverhalt etwas wüsste: Zum gewohnten Stadtbild gehöre seit langem ein kleiner Liefertransporter der Stadtbibliothek, auf dem der Name „Brigitte Reimann“ prangt. Dieser Name wurde der Stadtbibliothek vor einigen Jahren amtlich verliehen. Neuerdings befahre ein andere Kleintransporter mehrfach täglich die schmalen Verkehrsstraßen der Stadt an dem auffällt, er schmücke sich in großen Lettern ebenfalls mit dem Namen „Brigitte Reimann“. Außergewöhnlich, ja fast kurios ist daran nur, ein Malermeister nämlich gab seinem Malerbetrieb ihren Namen, fährt damit stolz in der Stadt umher. Eines so berühmten Namens kann man sich außerrechtlich nicht so einfach bedienen. Die Stadt Burg hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mit ihrer berühmten früheren Einwohnerin stets etwas schwer getan. Welche Motive mögen den Malermeister zu dieser Namensnennung bewogen haben? Noch sind sie nicht bekannt. Sicher ist eines: Er fährt mit B. R. Reklame, macht auf sie aufmerksam, weckt bei den Stadtbummlern Erinnerung, auch Neugier, auf eine Persönlichkeit, die einmal in ihren Stadtmauern gelebt hat. Ja selbst 40 Jahre nach ihrem Ableben kann Brigitte i h r e n erzählten Geschichten sogar noch eine eigene hinzufügen. Und ich bin sehr gespannt, welche „Kleine Geschichte“ sich hinter dieser Namensgebung des Malerbetriebes verstecken wird. Vielen Dank, dass Sie mir so interessiert zugehört haben. Nochmals, ich danke Ihnen sehr.

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