Friedrich von Schiller (1759-1805)

Erstellt: Freitag, 13. Mai 2005 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014

Dr. Uwe Grüning

Dr. Uwe Grüning war am 18.05.2005 zu Gast beim Hoyerswerdaer Kunstverein und stellte sein Buch „Schillers Wohnhaus in Weimar“ vor, welches er gemeinsam mit dem Fotografen Jürgen M. Pietsch editiert hat.

Da stöbern die Historiker nun schon 200 Jahre lang in Schillers Leben herum, haben jeden Winkel seines Daseins ausgeleuchtet und mit ihren Recherchen ganze Wälzer gefüllt,
sein „Genius“ aber, seine Individualität und Einmaligkeit wurde noch immer nicht vollständig ergründet. Es bleibt jeweils nur ein Versuch.
Dr. Uwe Grüning unternimmt seine Annäherung behutsam und leise und er erzählt in seinen sehr kurzen Essays: „Schillers ungeliebte Wahlheimat“ und „Ungleiche Freunde“ mehr über Schiller und sein Bild von der Welt, als man irgendwo anders nachlesen könnte.
Es ist ja gerade dies eine Kunst, aus der überreichen Fülle, wie es Schillers Lebenswerk darstellt, etwas herauszufiltern, das den Kern der Dinge trifft und Bleibendes beim Leser hinterlässt. Diese Kunst ist nur von demjenigen zu beherrschen, der intensiv und mit großem Einfühlungsvermögen das Denken Friedrich Schillers analysiert hat, und sein Werk exzellent kennt.


„ Kein SALVE wie vor Goethes Repräsentationsräumen am Frauenplan empfängt den Fremden an der Schwelle zum Schillerhaus. Ist er deshalb weniger willkommen? Zwei Lasten lähmen den Hausherrn und drohen, ihn ungesellig zu machen: Krankheit und ständige Sorge um ein Auskommen für sich und die Seinen. Sie drängen ihn ebenso wie sein Ehrgeiz, sein Werk vollkommen zu machen – als Dichtung, aber auch als Wegweiser für Mitgenossen und Nachwelt.
Dazu braucht er Zeit, sie ist ihm nicht gegeben. Dass er früh sterben würde, ahnt er wohl. So wird ihm mancher Besucher lästig, der ihn von seiner Arbeit abzieht, ohne ihn zu bereichern. Am wenigsten aber will er sich als erfolgreicher Dichter, dessen Ruhm den Goetheschen zu überstrahlen beginnt, besichtigen lassen. So kann es geschehen, dass ihn mancher förmlich und kalt findet… So notwendig ihm Stunden völliger Abgeschiedenheit auch sind, Anregung und Ablenkung kann er nicht entbehren. Letztlich ist er ihretwegen nach Weimar gezogen… Dass er ein guter Gesprächspartner sein konnte, ist auch von Wilhelm von Humboldt bezeugt: Bewunderungswürdig war an ihm seine Ruhe und Milde. Niemand kann weniger zerstreut, weniger unstet, mit mehr Liebe bei einem Gegenstand bis zu Erschöpfung verweilen…
Goethe bekennt über sein Leben: Nach dem Gesetz, wonach du angetreten, so musst du sein, du kannst dir nicht entfliehen… Nach einem Gesetz hat sich auch Schiller vollendet, doch es war ein strenges, nur scheinbar durch freien Willen gesänftigtes Gebot… ein doppeltes Gesetz, janusköpfig wie jedes Verhängnis. Auf der einen Seite standen Not und Notwendigkeit, Verpflichtungen und Schulden… auf der anderen Seite herrschte ein unbedingtes idealisches Streben, dass nach Notwendigkeiten nicht fragte, auch wenn – außer Tell - seine Helden allesamt Scheiternde oder Gescheiterte sind, welche die Schillersche Vollkommenheit nicht erreichen und vielleicht nicht einmal ertragen können.
Schillers Begegnung mit Charlotte von Lengefeld war ein hoher, vielleicht der höchste Glücksfall seines Lebens. Fortan hellten sich seine inneren und äußeren Verhältnisse auf: Ich sehe mit fröhlichem Geist um mich her… Mein Dasein ist in eine harmonische Gleichheit gerückt. Auch seine Kinder mag Schiller nicht missen. Unter seinem Häuflein habe er sich am wohlsten gefühlt, berichtet der jüngere Voß…
An Weimar bindet ihn eine seltsame Hassliebe und seine Urteile schwanken wie seine Entschlüsse. Schiller aber wäre ohne Weimar undenkbar und Weimar ohne ihn, auch wenn sein Stern, der den Goethes in manchen Zeiten überstrahlte, sinkt oder steigt, wie es das Wesen selbst der hellsten Gestirne ist.“
In dem kleinen Essay von Dr. Uwe Grüning ist eine außergewöhnliche große Biographie meisterhaft „gedichtet“. Da kann man nur staunen.
Zum Schluss soll noch einmal Goethe zitiert werden, er schreibt in seinem Epilog zu Schillers „Glocke“:
So feiert ihn! Denn, was dem Manne das Leben
Nur halb erteilt, soll ganz die Nachwelt geben.
Die Nachwelt hat Schiller unendlichen Ruhm bereitet, und auch wir wollen das nach diesem gelungenen Abend aufrichtig fortsetzen.

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