Kultur-Premiere im Elsa-Brändström-Haus Marienborn

Erstellt: Freitag, 13. Mai 2005 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 12. Juli 2014

Dr.h.c. Ralph Giordano

Hoyerswerda und dessen Region besinnt sich mehr und mehr auf seine Geschichte und seine einmaligen Angebote. Dazu gehört auch die von Malermeister Hartmut Zschorlich wiederbelebte Tradition des "Bad Marienborn" in Schmeckwitz. Dort begegnet der Besucher seit dem vorigen Sommer in einer gediegenen Ausstellung, die die Hoyerwerdaer Firma PSW einfühlsam betreute und gestaltete, der schwedischen Wohltäterin Elsa Brändström (1888 - 1948). Sie rettete als Krankenschwester des schwedischen Roten Kreuzes in Sibirien mehrere zehntausend deutsche, ungarische, österreichische Gefangene des l. Weltkriegs das Leben und verhalf im 2. Weltkrieg zahllosen jüdischen Exilsuchenden zur lebensrettenden Einreise in die USA. Mehr als 160 Straßen, Schulen und Krankenhäuser, zahllose Denkmale in Europa tragen ihren Namen.
Der weltbekannte Fernsehjournalist und Schriftsteller Dr.h.c. Ralph Giordano aus Köln wohnte in der vergangenen Woche als Gast in jenem Haus und äußerte sich sehr beeindruckt und begeistert über das Privat-Engagement dieser Hoyerswerdaer Familie. Zum Dank gestaltete er am 11.5.2005 gemeinsam mit dem Hoyerwerdaer Kunstverein eine Lesung aus seinem jüngsten Buch "Sizilien, Sizilien".
Diese Italienische Mittelmeerinsel ist die Heimat seines Großvaters Rocco Giordano, vor dem ersten Weltkrieg Gründer und Dirigent das "Giordano-Estraden-Orchester", mit dem er Kaiser- und Königshöfe besuchte. Sizilien blieb die lebenslange unerfüllte Sehnsucht des Großvaters, der der Enkel im Jahr 2000 folgte und eine spannende, menschlich berührende Geschichte entdeckte.
Ralph Giordano verzauberte mit seiner Lesung alle Zuhörer, die den größten Raum jenes Ferienhauses füllten, machte neugierig auf seine Entdeckungen der Kultur, der Geschichte, der Wirtschaft und der Natur der Insel und schuf ein Gefühl der Zusammengehörigkeit von Menschen selbst über weite Entfernungen hinweg. Bei anschließendem lockerem Gespräch erkundigte er sich nach den sorbischen Traditionen unserer Heimat, nach den kulturellen Aktivitäten, der Historie der Region und nach der jüngsten wirtschaftlichen Entwicklung.
Als aufmerksamer Zuhörer und gewissenhafter Dokumentarist der Zeitgeschichte wusste er alle Aktivitäten zu loben, welche die Möglichkeiten der deutschen Einheit, die Öffnung zur Welt als Chance für ein friedliches Miteinander zu nutzen wissen. Er sah mehr positive Ergebnisse der zurückliegenden sieben Jahre seit seinem ersten Besuch als mancher Zeitgenosse, freute sich über die positiven Veränderungen im Stadtbild Hoyerswerdas und über solche Einsatzfreudigkeit für Wirtschaft und Kultur, wie er sie bei Familie Zschorlich und dem Hoyerwerdaer Kunstverein oder den Wohnungsunternehmen beobachten konnte. In seiner Begeisterung "drohte" der 82-jährige Gast scherzhaft seinen dritten Besuch an, zu dem sogleich die Einladung erfolgte.

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