Im Rahmen der GrenzgängeR-Gespräche der Robert Bosch-Stiftung liest Ulla Lachauer aus ihrem Roman "Von Bienen und Menschen". Der Journalist Mirko Schwanitz moderiert.

Erstellt: Freitag, 14. Juni 2019 Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 19. Juni 2019 Geschrieben von Christine Neudeck

Was Bienen und Imker über Europa zu sagen wissen

Lesung Ulla Lachauer im Rahmen der GrenzgängeR-Gespräche der Robert-Boasch-Stiftung in Hoyerswerda Ulla Lachauer signiert ihr Buch "Von Bienen und Menschen" beim Hoyerswerdaer Kunstverein Im Rahmen der GrenzgängeR-Gespräche der Robert Bosch-Stiftung liest Ulla Lachauer (*1951) aus ihrem Roman "Von Bienen und Menschen". Der Journalist Mirko Schwanitz moderiert die Lesung. Gastgeber ist der Hoyerswerdaer Kunstverein.

Es ist schon eine außergewöhnliche Idee, sich auf eine Reise zu Imkern zu begeben, um die Geschichte Europas, besonders Osteuropas zu erforschen. Und man staunt, was die Imker Ulla Lachauer zu erzählen haben, die selbstbewussten und eigenbrötlerischen Fachleute und die, denen ihre Liebe gilt, die Bienen. Beide lernt Ulla Lachauer kennen, die Imker, nicht redselig, aber aufgeschlossen und die Bienen, diese sehr schmerzhaft. Sie lernt sie kennen auf ihren Reisen nach Jasnaja Poljana in der russischen Enklave Kaliningrad, im Schwarzwald, in der Lüneburger Heide, auf der schwedischen Insel Gotland mitten in der Ostsee, in Litauen, Tschechien, Österreich, Slowenien, Kroatien und an der ehemals deutsch-deutschen Grenze. Ein weit gespannter Bogen mit ebenso weit gespannten Geschichten. So unterschiedlich die Geschichten auch sein mögen, eines ist den Imkern in allen Ländern gleich, die leidenschaftliche Liebe zu den Bienen, zu ihrer Arbeit unter Bedingungen, die nicht jeder aushält, und natürlich ihr Stolz auf ihre Produkte, Honig in allen Geschmacksrichtungen und Bienenwachs. Es gibt viele unterschiedliche Bienenarten, man hört von der schwarzen und der grauen Honigbiene, die sich in Ertrag und Stechverhalten unterscheiden. Einen Stachel besitzen übrigens nur die Weibchen, sobald sie einen Menschen stechen, sind sie dem Tod geweiht, weil die menschliche Haut den Stachel nicht wieder frei gibt.
Die wichtigste Aufgabe der Imkerei heute aber ist nicht die Gewinnung von Honig, sondern es gilt, das Gleichgewicht der natürlichen Abläufe zu erhalten, die Bestäubung von Pflanzen aller Art. Einen Strich durch die Rechnung macht den Imkern die Varroamilbe, ein Parasit, der sich von Bienen ernährt und weltweit ganze Bienenvölker vernichtet. Bislang wurde keine vollständig wirksame Strategie gegen die Milbe entwickelt. Schon daran lässt sich erkennen, dass Imker sich zu Fachseminaren und Erfahrungsaustausch treffen müssen, dass sie ihre Arbeit wissenschaftlich mit Publikationen unterstützen müssen und dass sie staatliche Hilfen benötigen. Ein gutes Beispiel für diese Arbeit ist im Bienenmuseum im Obermünstertal im Schwarzwald zu finden.
Das Interessante an den Erzählungen von Ulla Lachauer aber ist, wie sie das Thema Biene zur Literatur veredelt, indem sie die Imker, Frauen und Männer, ihre Geschichten erzählen lässt, die Abhängigkeiten in den politischen Systemen und in den Familien darlegt. Philosophische Betrachtung über den "Bien" werden ebenfalls einstreut. Der Bien ist nach der Auffassung der Bienenfreude das größte Tier unserer Erde. Die Ausdehnung eines Bienenschwarms, der mitsamt Königin, Arbeiterinnen und Drohnen ausfliegt und ein neues Zuhause sucht, ist gewaltig. Ein Bienenstaat ist nur in der Gemeinschaft lebensfähig, das Herz ist die Königin, Arbeiterinnen und Drohnen erledigen die ihnen zugedachten Aufgaben perfekt wie unterschiedliche Organe, alles funktioniert wie ein einziges harmonisches Wesen.
Ulla Lachauer ist Journalistin, Dokumentarfilmerin und Buchautorin, sie lebt in Lüneburg. Ihr Buch "Von Bienen und Menschen", wurde für die Zuhörer zu einer Reise durch Europa und zu einem ehrfürchtigen Blick auf die Natur und auf die Mühen, die mit einem Glas Honig verbunden sind.

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