Musikalisch-literarische Matinee beim Hoyerswerdaer Kunstverein

Erstellt: Sonntag, 11. November 2018 Zuletzt aktualisiert: Montag, 19. November 2018 Geschrieben von Christine Neudeck

Singen bezwingt die Nacht

Musikalisch-literarische Matinee mit dem Holzbläsertrio Angela Ladewig(Flöte), Petra Voigt(Oboe) und Sabine Kegel(Klarinette). Helene Schmidt und Barbara Kegel lesen Gedichte von Hermann Hesse (1877-1962).

Holzbläsertrio Petra Voigt, Angela Ladewig, Sabine Kegel (von links), Texte: Helene Schmidt und Barbara Kegel (von links). Musizieren erfordert höchste Konzentration und exaktes stundenlanges Üben im Vorfeld, wenn ein Konzert gelingen soll. Das konnten die Gäste der Matinee des Hoyerswerdaer Kunstvereins im wahrsten Sinn des Wortes hautnah erleben, im bis auf den letzen Platz gefüllten Kaminzimmer im Schloss Hoyerswerda, wenn sie in die Gesichter der drei Musikerinnen blickten, die alle ehemalige Schülerinnen der Musikschule Hoyerswerda sind. Das Holzbläsertrio Angela Ladewig, Petra Voigt und Sabine Kegel brachte Werke von Komponisten ganz unterschiedlicher Stilrichtungen sehr professionell in einem gut ausgewogenen Programm zu Gehör. Helene Schmidt hatte dazu passende Gedichte - Lebensweisheiten und Lebensfreude- von Hermann Hesse gewählt, die sie und Barbara Kegel passend zu einer Matinee wohlklingend vortrugen.
Musikstücke aus dem Barock von Joseph Haydn und Frank Hofmeister sorgten für einen heiteren freudigen Auftakt, sehr präzise müssen hier die drei Solostimmen von Flöte, Oboe und Klarinette aufeinander "hören", um als Ganzes wie eine Stimme zu klingen, was weitaus schwieriger ist, als im Solo allein zu spielen. Freudig ging es weiter mit dem Blick von Hermann Hesse in das Leben eines Pilgers, der wie auch wir, oft das Ziel verfehlt, aber dennoch auf eine kühne Fahrt des Lebens zurück blicken kann, ebenso wie in dem bekannten Gedicht "Stufen" des Lebens Ruf an uns niemals enden wird; weil jede Jugend dem Alter weicht, muss das Herz bereit sein zu Aufbruch und Reise, "Herz, nimm Abschied und gesunde!" 
Den Mittelteil der Musik hatte Angela Ladewig wie in einer Sonate etwas getragener und ruhiger gewählt und hier Arrangements als Duett einerseits für Flöte und Oboe und zum zweiten für Flöte und Klarinette gewählt, was einen anderen Hörgenuss erzeugt als im Trio. Oboe und Flöte wetteifern um die schönste Stimme in einer Sonate des französischen Komponisten Joseph Bodin de Boismortier und in "Sicilienne" von Gabriel Fauré entsteht wohltuende Melancholie, wobei die helle Stimme der Flöte Antwort erhält von der tieftonigen Klarinette. Für einen nachdenklich heiteren Aspekt sorgte auch das Gedicht "Gärtner träumt", er träumt von einem Weg, auf dem kein Unkraut wächst, von einem Pulver, dass Blattläuse in einen Rosenflor verwandelt und von einem neuen Rücken an jedem Abend. 
Mit Musikstücken aus dem 19. und 20. Jahrhundert erklangen moderne Rhythmen, die das Leben bejahen, aber auch Trauer und Wissen um die Fragilität des Lebens ahnen lassen, von den Musikerinnen exzellent vorgetragen. 
Scott Joplins Musik "The Entertainer" beschließt das Konzert heiter im Jazz-Rhythmus, lässt die Zuhörer mitschwingen und mitsingen wie in Hermann Hesses Gedicht "Dreistimmige Musik", eine Stimme singt in der Nacht, eine zweite antwortet ihr und eine dritte tanzt und singt mit, und die drei werden zu Sternenschein und Zauberei, "Nacht wär und Angst die Welt ohne dich, ohne mich, ohne dich."
Mit freundlicher Genehmigung von Sächsische Zeitung, Hoyerswerdaer Tageblatt

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