Verleihung des Sächsischen Literaturpreises an Róža Domašcyna in Hoyerswerda

Erstellt: Dienstag, 23. Oktober 2018 Zuletzt aktualisiert: Freitag, 26. Oktober 2018 Geschrieben von Christine Neudeck

Würdige Ehrung für die Dichterin Róža Domašcyna

Verleihung des Sächsischen Literaturpreises 2018 an Róža Domašcyna in Hoyerswerda

Róža Domašcyna (links), Preisträgerin des Sächsischen Literaturpreises 2018 und Eva-Maria Stange, Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst im Land Sachsen Es ist selten, dass Preise der Literatur an Dichter vergeben werden, die fast ausschließlich Gedichte schreiben, denn Lyrik ist nicht bestsellerfähig. Deshalb ist es um so erfreulicher, dass eine Dichterin aus unserer Region den Sächsischen Literaturpreis erhält, die in ihren Gedichten die kleine Welt der Lausitz thematisiert, immer verbunden mit einem unverfälschten kritischen Blick auf die großen Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft.
Róža Domašcyna bewirkt das fast wie ein Suchen am Wegrand mit ihrer besonderen Gabe des Umgangs mit Worten in zwei Sprachen, der deutschen und der sorbischen.
Dem Festakt der Verleihung des Preises stellte deshalb der Oberbürgermeister der Stadt, Stefan Skora, voran, dass Hoyerswerda ein würdiger Ort sei, um eine deutsch-sorbische Dichterin zu ehren, sie stehe in einer Tradition mit Gerhard Gundermann und Brigitte Reimann und außerdem sei Hoyerswerda der Gründungsort der Domowina im Jahr 1912.
Eva-Maria Stange, die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, nahm die Ehrung der Dichterin persönlich vor. Ihre Würdigungsrede beleuchtete in sehr berührender Weise das Besondere von Róža Domašcyna, wie sie mit der Sprache den Dingen auf den Grund geht, wie sie in zwei Sprachen die Worte spiegelt und so präzisen Klang erhält. Das schafft Identität und Zugehörigkeit und lässt den Blick auf die Welt weit und offen werden. Es sind Sprachkunstwerke, die das ans Licht holen, was in der Welt heute unkenntlich zu werden droht. Deshalb verleiht die Sächsische Akademie der Künste den Literaturpreis 2018 an Róža Domašcyna.
Die Entscheidung trifft eine Jury des sächsischen Literaturrates, in deren Namen die Geschäftsführerin, Dr. Sibille Tröml, den Dank an Róža Domašcyna und an alle ausspricht, die zum Gelingen der Ehrung beigetragen haben, die fleißigen Mitarbeiter von Stadt und Schloss, der Dank gilt vor allem dem Hoyerswerdaer Kunstverein.
Einen angemessenen musikalischen Rahmen schuf der Violinist Martin Flade mit Musikstücken von zwei zeitgenössischen sorbischen Komponisten, Juro Metšk und Jan Cyž, die ebenfalls zum Festakt gekommen waren. Sie setzen in Musik um, was unsere heutige Welt liebenswert macht, aber auch entzweit.
Diese Musik ergänzt die Sprache Róža Domašcynas perfekt und poetisch perfekt waren auch die Worte der Laudatio zu vernehmen, die Gerhard Wolf schrieb und die von Dr. Tomas Gärtner vom Sächsischen Literaturrat verlesen wurde. Róža Domašcyna schreibt in einer Sprache, die selten in der heutigen Lyrik zu hören ist, eine Sprache, die wie Humus ist, der die Halme aufkeimt bis zur Blüte. Ihre Themen sind die abgebaggerten Dörfer der Lausitz, die man über den Wassern nur noch ahnen kann, die aber mit Algen überzogen noch vorhanden sind, die Umrisse von Gräbern und Dreiseitenhöfen, abgetan das Erinnern. Róža Domašcyna lebt als "Zaungucker" auf zwei Seiten eines Zauns, das war der Titel ihres ersten Gedichtbandes, den Gerhard Wolf in seinem Verlag Janus press herausgab. Inzwischen liegen unzählige Gedichtbände von ihr vor, aber auch Übersetzungen und Märchen der Lausitz.
Róža Domašcyna selbst bedankte sich mit einer Rede zu den Motivationen ihres Schreibens. Wie auf Wolfpfaden geht sie ihren Themen nach, wobei in den Märchen der Wolf immer der Dumme ist und von der Füchsin überlistet wird. Worte enthalten Legenden, nach denen sie sucht, im Sorbischen gibt es keine Sieger, nur einen Gewinner, es gibt auch keinen Feind, nur einen Nicht-Freund, was bei genauem Hinsehen eine gewaltigen Unterschied bedeutet, mehr Harmonie in Sprache und Leben. Sie lenkt den Blick von den kurzfristig möglichen ökonomischen Zielen auf die langfristigen, beschwerlichen, die am Ende Leben bedeuten. Ihr Gedicht vom "Wasserwolf" lässt das ahnen: Der Wasserwolf ist der unersättliche im Fischteich, der jeden frisst, der nicht aufpasst, einer, der keine Zurückhaltung kennt und bald alles um sich herum aufgefressen hat, nach den Fischen auch die Frösche, Kröten und Wasservögel. Es war keiner mehr da, der sich über die Opfer beklagen konnte. Er "besah sich - im spiegel des Wassers glänzten seine schuppen golden". Eine Zukunftsvision, die, wie man befürchtet, schon begonnen hat. Róža Domašcyna wird sich auch weiterhin poetisch unaufdringlich zum Umdenken äußern und Geschichte, Geschichten, Märchen und Sagenwelt als Lebensquell für heute und morgen erschließen.

Mit freundlicher Genehmigung von Sächsische Zeitung, Hoyerswerdaer Tageblatt

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