Im Rahmen der Grenzgänger-Projekte der Robert-Bosch-Stiftung las der Dichter Björn Kuhlig beim Hoyerswerdaer Kunstverein.

Erstellt: Freitag, 31. August 2018 Zuletzt aktualisiert: Montag, 03. September 2018 Geschrieben von Christine Neudeck

Die Hymne Europas im 21. Jahrhundert

Im Rahmen der Grenzgänger-Projekte der Robert-Bosch-Stiftung las der Dichter Björn Kuhlig (*1975) beim Hoyerswerdaer Kunstverein aus seinem Gedichtband "Die Sprache von Gibraltar". Moderation Mirko Schwanitz

Björn Kuhligk liest beim Hoyerswerdaer Kunstverein Der Dichter Björn Kuhligk und Journalist Mirko Schwanitz beim Hoyerswerdaer Kunstverein 2018 Es war das erste Mal. dass im Rahmen der GrenzgängeR-Projekte der Robert-Bosch-Stiftung in Hoyerswerda ein Lyriker zu Wort kam, und das mit viel Zustimmung.
Björn Kuhligk ist ein junger Dichter aus Berlin, der die Welt um sich herum sehr sensibel wahrnimmt und das, was er sieht, fühlt und hört in einem Rhythmus, der zum Zuhören animiert, zu Papier bringt. Geschriebenes ist ohnehin seine Berufung, denn er ist gelernter Einzelhandelskaufmann im Buchhandel. Diesen Beruf übt er noch heute neben seiner Tätigkeit als Autor und Herausgeber aus.
Bisher veröffentlichte er bereits mehrere Gedichtbände, erhielt Stipendien und Literaturpreise und gibt seine Motivation in der Literaturwerkstatt Berlin an junge Dichter weiter.
Aus dem 2016 erschienenen Band "Die Sprache von Gibraltar" las er das Titelgedicht, ein ungewöhnlich langes Essay. Es scheint, dass ihm das Thema besonders wichtig ist, denn die heutige Sprache von Gibraltar ist nicht die Sprache von hoch aufragenden Felsen, Meer und Sonnenuntergang, es ist die Sprache von Leid, Hass, Trauer und Ohnmacht. Das Leben der Flüchtlinge an den Grenzen Europas macht ihn betroffen und er wollte genauer hinsehen. Deshalb reiste er in die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla auf dem afrikanischen Festland, an die Mauern, die Europa zur Abwehr afrikanischer Flüchtlinge errichtete.
Und Björn Kuhligk sieht genau hin und schreibt ein langes Gedicht, eine nicht endend wollende Elegie über menschliches Tun. Die Sprache "von Gibraltar" ist nicht fähig, alles auszudrücken, was er vorfindet, er versucht, mit Hilfe der Poesie Worte zu finden, wofür man keine Worte kennt.
Zu hören sind neben Anklagen an die Gesellschaft auch Reflexionen auf das eigene Leben... Ich bin bei den Satten, den Siegern, ich kann mir das Essen aussuchen, das Hotel... Einer geht entlang des Zauns Joggen. Er wird sich später von seinem Sohn fragen lassen müssen, Papa, was hast Du getan, als die Leute von den Zäunen geschossen wurden? Ich habe etwas für meinen Körper getan... Ich habe es aufgegeben zwischen Patrouillenbooten und sanften Hügeln nach dem Schönen zu suchen...
Die Lyrik Björn Kuhligks wird zur "funkensprühende sprachlosen Hymne Europas".
Unter einer sehr professionellen Moderation von Mirko Schwanitz war vieles aus dem Leben des Schriftstellers zu erfahren und viele weitere Gedichte kamen zu Gehör, darunter ein Gedicht, warum einer Gedichte schreibt und nicht etwas anderes... ich schreibe über mein Leben und ich schreibe, wenn das Land brennt, ich bin manchmal glücklich dabei...
Glücklich über den gelungenen Abend waren auch die Zuhörer, für alle ein bewegender, erschütternder Blick auf die Flüchtlinge an den Grenzen Europas und ein Gefühl davon, was Literatur bei uns vermag.

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