Peter Stosiek, Arzt und Theologe, liest aus seinem Erzählband "Tollwut" beim Hoyerswerdaer Kunstverein

Erstellt: Mittwoch, 06. Juni 2018 Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 14. Juni 2018 Geschrieben von Christine Neudeck

Heitere und ernste Geschichten vom Wegrand

Peter Stosiek (*1937), Arzt und Theologe, liest aus seinem Erzählband "Tollwut".

Prof. Dr. Peter Stosiek liest beim Hoyerswerdaer Kunstverein aus seinem Erzählband "Tollwut". 2018 Professor Dr. Peter Stosiek ist den Zuhörern des Hoyerswerdaer Kunstvereins seit vielen Jahren als Referent über philosophische Themen, wie die Würde des Menschen am Ende des Lebens, über Religion und Wissenschaft oder über Gott und die Medizin, bekannt. Im Laufe seiner langen Tätigkeit als Mediziner, Publizist, Theologe und auch als Entwicklungshelfer in Armenien sind ihm viele Menschen begegnet, mit den verschiedensten Lebensentwürfen und Überzeugungen. Jetzt wartet sein Gedächtnis auf ein Wort, ein Bild oder einen Namen und er erinnert sich an die dazugehörige Geschichte, die schreibt er auf, in einer sehr innigen, würdigen Sprache, mit jener Würde, die für den Menschen als "unantastbar" gilt. 
Die Geschichte "Der Schrei" beschreibt die Situation, die er als Kind in Schlesien erlebte, der markerschütternde Schrei der Mütter, wenn sie Nachricht vom Tod des Mannes oder des Sohnes in dem unsäglichen zweiten Weltkrieg erhielten. Keiner wollte diesen Schrei dem Kind erklären, und nach dem Krieg ging man zur Tagesordnung über. Ein lautes NEIN sind die Erwachsenen dem Kind schuldig geblieben. "Ach, wir hätten mit euch geweint. So müssen wir über euch weinen, jetzt, da ihr lange tot seid. Denn noch ist er nicht verklungen, dieser lange endlose Schrei. Er wird wohl nie verklingen." 
Seine Erfahrungen als Mediziner und Katholik in der DDR schildert Peter Stosiek in vielen typischen Begebenheiten. Eine davon heißt "Der Kommunist". Es ist auf einer Weihnachtsfeier des Krankenhauses, als ihm ein abseits Sitzender auffällt, der offensichtlich "ein Bonze von oben" ist. Die direkte Frage "Sie sind also Kommunist?" beantwortete dieser mit "Ja, bin ich." Das ist gesagt mit der "unerschütterlichen Ruhe des Lesungen und Gespräche mit Peter Stosiek haben beim Hoyerswerdaer Kunstverein eine lange Tradition. 2018 Überzeugten und Gläubigen". Es entwickelt sich ein Dialog über Kommunismus, Mauerbau, Kirche, Religion und Gott, bei der jeder seinen Überzeugungen treu bleibt, dem anderen aber zuhört. Nach dem Fall von Stalin wird der Kommunist die Millionen Toten in Stalins GULAG beweinen, wird auf seinem Weg zu einer besseren Welt ein Bremsklötzchen des DDR-Regimes werden, dem er trotzdem weiterhin dient, wird seine Überzeugung jetzt und auch später nicht verleugnen und noch später im "Neuen Forum" mitarbeiten und die PDS gründen helfen, wird dem Freund und Katholik zurufen: "Jetzt seid ihr dran." Aber diese waren auch nicht dran. Es waren ganz andere.  
Es sind auch heitere Geschichten zu lesen, eben von der "Tollwut", die am Ende keine war, aber hätte sein können, verursacht von einer Eule? Die Tollwut haben kann oder nicht? Die Menschen angreift oder nicht? Nachlesen lohnt sich. 

Das kleine Bändchen "Tollwut" von Peter Stosiek ist im Verlag Radius erschienen, unter ISBN 978-3-87173-345-1, auch bei amazon erhältlich.

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