Erich Busse besucht die Stätten der Reformation in Mitteldeutschland

Erstellt: Samstag, 11. November 2017 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 11. November 2017 Geschrieben von Christine Neudeck

Das geistige Erbe der Reformation

Erich Busse, Vortrag über die Stätten der Reformation in Mitteldeutschland Es ist erstaunlich, wie viele Facetten Erich Busse immer wieder findet, um seinen Zuhörern die Geschichte Mitteldeutschlands und damit ihre kulturelle Identität nahe zu bringen. Was wäre geeigneter in diesem Jahr als die Reformationszeit, die von Mitteldeutschland ausging und die Zeit veränderte? Es sind immer Einzelne, die dem Zeitgeist ihre persönliche Note geben, zum Guten oder zum Bösen, oft ist beides nicht voneinander zu trennen. Erich Busse beginnt bei den Heiligen der katholischen Kirche, die auch in den Augen der Protestanten durch uneigennütziges Handeln eine Vorbildwirkung haben, Beispiele hierzu sind Bischof Benno aus Meißen oder Elisabeth von Thüringen.
Jan Hus, der Prediger und Professor aus Prag war ein früher Wegbereiter Luthers, er erreichte schon um 1400 in Prag einen großen Zuhörerkreis, weil er in tschechischer Sprache predigte und, wie Luther, die Verweltlichung der Kirche kritisierte. Er brannte auf dem Scheiterhaufen zu Konstanz. Die Hussiten, die später in seinem Namen agierten, allerdings brachten neben dem Segen auch in katastrophalen Kriegen großes Leid über das Land.
Alle Weggefährten Martin Luthers gehören zwangsläufig zu den prägenden Persönlichkeiten der Reformation: seine Frau Katharina, der Universalgelehrte Philipp Melanchthon, der mit diplomatischem Geschick Luther ein Leben lang unterstützte, Erasmus von Rotterdam mit seinen "ketzerischen" humanistischen Schriften und nicht zuletzt der fürstliche Retter, Friedrich III. von Sachsen, später Friedrich der Weise genannt.
Johann Tetzel wiederum war ein eifernder Gegner Luthers, sein Name steht bis heute als Synonym für den Ablass, der ein einträgliches Geschäft für Rom und für Albrecht von Brandenburg war, nicht zuletzt für Tetzel selbst.
Thomas Müntzer, zuerst ein verlässlicher Anhänger Luthers, stellte sich während der Bauernaufstände als Prediger auf die Seite der Bauern und trat auf der Kanzel für soziale Gerechtigkeit ein. Die ungezügelte Gewalt der Aufständischen schreckte Luther ab, der den Gehorsam gegenüber der Obrigkeit erhalten wollte. Müntzer wurde mit dem Einverständnis Luthers öffentlich hingerichtet. In der Zeit der DDR stand er als Führer gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit hoch im Kurs, so dass ihm in Bad Frankenhausen 1976 ein Museum gewidmet wurde, das in einem beeindruckenden Rundbild von Werner Tübke die Geschichte der Reformation in hunderten von Gesichtern und mit vielen tiefgründigen philosophischen Überlegungen auch zu den Irrtümern der Geschichte noch heute nahe bringt.
Einen wichtigen Anteil an der Verbreitung der lutherischen Gedanken hatten die schönen Künste. Lucas Cranach schuf die Bilder zur Reformation, die wir heute noch bewundern und die Porträts von Luther oder Melanchthon sind aufgrund seines Könnens sehr authentisch. Später tragen Schnorr von Carolsfeld, Caspar David Friedrich oder Ludwig Richter mit ihren Bildern ebenfalls zum Glaubensverständnis in der evangelischen Kirche bei. In erheblichem Maß leistet das auch die Musik. Die Gemeinde singt die Lieder Luthers mit, "Ein feste Burg ist unser Gott" wird zum Fanal. Heinrich Schütz, Telemann, Paul Gerhardt, Bach und Händel, werden in den folgenden Jahrhunderten mit Chormusiken, Motetten, Kantaten, Sinfonien und Oratorien zu Verkündern des Evangeliums. Nicht zuletzt sind es Baumeister, wie George Bähr, die evangelische Gotteshäuser in einem neuen Verständnis von Glauben und Gemeinde errichten. Orgelbauer wie Gottfried Silbermann unterstützen dieses Anliegen durch ihre hohe Kunst. 
Im Geist der Reformation entstehen soziale Einrichtungen, wie die Kindergärten von Friedrich Fröbel, die Franckeschen Stiftungen in Halle, die Brüdergemeine in Herrnhut unter Nikolaus Ludwig von Zinsendorf, Diakonie und Innere Mission.
Ein interessanter Abriss der Geschichte der Reformation von Erich Busse, in dem am Schluss noch der Märtyrer unserer Zeit gedacht wird, wie Paul Schneider und Oskar Brüsewitz.

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