Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wien und Rudolf Renner zu Leonardo da Vinci

Erstellt: Dienstag, 12. September 2017 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 23. September 2017 Geschrieben von Christine Neudeck

Leonardo da Vinci - Das Abendmahl und mechanische Geräte

Ein Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wien und Rudolf Renner beim Hoyerswerdaer Kunstverein zu Leonardo da Vinci ( 1452-1519).

Rudolf Renner und Prof. Dr. Andreas Wien, 2017 beim Hoyerswerdaer Kunstverein. V.l. Schon die Wahl des Titels lässt erahnen, dass hier zwei konträre Welten aufeinandertreffen. Was bitte schön, hat das berühmte Abendmahl des Leonardo da Vinci mit mechanischen Geräten zu tun, die häufig Kriegsmaschinen mit mörderischen Funktionen sind?
Dieser Frage gingen die beiden Rezensenten nach. Prof. Wien erörtere die Fakten zum Gemälde, Rudolf Renner befasste sich mit den Ideen Da Vincis zu Verteidigung und Angriff im Kriegsfall, allerdings finden sich auch einige Erfindungen darunter, die ganz profanen Zwecken dienen sollten, wie noch zu hören sein wird.
Doch warum findet sich beides in ein und demselben "Künstler" wieder?
Aufgrund seiner augenfälligen künstlerischen Begabungen und seines unruhigen wachen Geistes wurde Leonardo Da Vinci von seinem Vater in die Lehre zu Andrea del Verrocchio gegeben, dem damals berühmtesten Künstlers in Florenz. Hier lernt er das Malen, worin er bald seinen Lehrmeister übertreffen wird, hier lernt er aber auch, dass ein Maler allein mit Bildern seinen Lebensunterhalt nicht verdienen kann. Ideen hat er genug. Noch als Schüler bei Verrocchio macht er sich Gedanken zum Zusammenspiel von Natur und Mensch, indem er die Landschaft in die Darstellung des Menschen einbezieht, er studiert Bewegungsabläufe in der Natur und entwickelte daraus Geräte zum Gebrauch durch den Menschen. All das notiert er in etwa 1700 Studienblättern, die bis heute erhalten sind, zur "Geheimhaltung" seiner Ideen schrieb er alles in Spiegelschrift.
In Florenz wird er als Maler berühmt mit Bildern für Stadtherren und Klöster. Allerdings wird er selten zum vereinbarten Termin fertig, manches Mal auch gar nicht. Andreas Wien, Prof. Dr. jur. für Wirtschaftsrecht an der BTU Cottbus-Senftenberg, interessiert natürlich besonders ein Rechtsstreit, den Da Vinci wegen des Honorars zu seiner "Felsgrotten- Madonna" führt, die war den Auftraggebern zu schlicht, zu wenig prächtig, zu wenig Gold. So entsteht eine zweite Fassung, die erste hängt heute im Louvre in Paris, die zweite in der Nationalgalerie in London. Die zweite ist farbiger gefasst, Maria umfängt ein teures Gewand und man trägt Heiligenschein. Es muss nicht unbedingt erwähnt werden, dass die zweite Fassung nicht von Da Vinci fertig gestellt wurde, sondern von einem seiner Schüler.
1482 wechselt Da Vinci nach Mailand. Bei Ludovico Sforza bewirbt er sich aus gutem Grund nicht nur als Maler, denn das können viele andere auch. In seinem Empfehlungsschreiben hatte er seine außergewöhnlichen Fähigkeiten zur Erfindung von Kriegsmaschinen erwähnt. Denn die Stadtstaaten standen in ständigen kriegerische Auseinandersetzungen mit Rom und wollten ihre Territorien nicht nur erhalten sondern erweitern. Diese uns heute mörderisch erscheinenden Geräte erläutert Rudolf Renner, der umtriebige Kunstmanager aus Schwarzheide und Senftenberg. Er erläutert auf seine Weise und geht davon aus, dass Da Vinci diese als Aushängeschild für seine Fähigkeiten nutzte und überzeugt war, dass sie ohnehin niemals gebaut werden könnten. Auf Da Vinci gehen aber auch Erfindungen zurück, die bis heute in ihren Grundprinzipien genutzt werden, eine Idee für einen Hubschrauber, Schaufelräder für Schiffe, ein Gerät zur Landvermessung, ein Fahrrad und vieles mehr.
Das Universalgenie Da Vinci begeistert bis heute in seiner Vielfalt, die Gemälde allerdings überragen alles andere bei weitem. Seine berühmte "Mona Lisa" gibt noch heute Rätsel auf. Mit ihrem unergründlichen Lächeln ist sie ein Betätigungsfeld für Historiker, die fleißig nach Deutungen für die Person suchen, die hier Modell stand.
Auch das berühmte "Abendmahl", das im Auftrag von Ludovico Sforza gemalt wurde, zieht bis heute Tausende in das Kloster Santa Maria Grazia nach Mailand. Es wurde auf trockenen Putz gemalt, es ist kein Fresko, Da Vincis genaue exakte Malweise wäre für ein Fresko viel zu langsam gewesen, bei dem die Farbe in den feuchten Putz gemalt werden muss, der schnell trocknet. So kam es zu einem vorzeitigen Ablösen der Farben und zu unzähligen Restaurierungen im Laufe der Jahrhunderte.
Jeder aber, der heute vor dem von 1978 bis 1999 neu restaurierten Bild steht, ist berührt von der Wirkung der Komposition, von der Farbwahl, von der Körpersprache der Apostel, von Jesu Gestik und Mimik und von der mystischen Lichtführung, eine andächtige Zwiesprache für Christen und Nichtchristen.
Für die Zuhörer war es sehr anregend, dass Können und Fantasie des Leonardo da Vinci wieder einmal ins Gedächtnis gerufen wurde.

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