52. Musikfesttage Hoyerswerda: Musik und Malerei - mit Uwe Jordan, Maxim Shagaev und Andrej Ur

Erstellt: Dienstag, 25. April 2017 Zuletzt aktualisiert: Montag, 01. Mai 2017 Geschrieben von Christine Neudeck

Ein bezauberndes Fest für die Sinne im Rahmen der Hoyerswerdaer Musikfesttage

Uwe Jordan mit einem Gemälde von Günter Peters, Oberlausitzer Teichlandschaft Musik und Malerei - mit Uwe Jordan, Rezensent, Maxim Shagaev, Bajan, und Andrej Ur, Violine, zu Bildern von Günter Peters

Musik und Malerei sind eigentlich je ein Genre für sich, das die Sinne des Menschen anspricht und berührt. Kommen Musik und Bilder in einem Kontext zueinander, wird es ein Fest für Hören und Sehen. Dabei folgen beide neben ihrer sinnlichen Ausstrahlung den sehr vernünftigen Strukturen der Mathematik. Denn ebenso, wie Maler die Musik in Bilder umsetzen können, verwandeln Musiker Bilder in Töne. Das war an dem Abend mit Werken von Günter Peters zu erleben, die Uwe Jordan sehr einprägsam rezensierte und Maxim Shagaev mit seinem Bajan auf ganz persönliche Weise interpretierte, indem er sie beinahe "träumte". 
Günter Peters, der Maler, wurde als Günter Peplowski 1907 in Hoyerswerda geboren. Nach Studium, Studienreisen in viele Länder Europas, nach Aufenthalt in Breslau, nach Kriegsdienst und Gefangenschaft kehrte er 1947 nach Hoyerswerda zurück. Er baute als "Beamter" das Heimatmuseum neu auf und gründete mit viel Eigeninitiative und engagierten Partnern 1959 in seiner Stadt einen Tierpark, den heutigen Zoo. Neben den umfangreichen Tätigkeiten als Museumsleiter und Tierparkdirektor blieb er seiner Passion des Malens ein Leben lang treu. Von all seinen Schaffensperioden hatte Uwe Jordan gemeinsam mit Elke Roschmann sieben prägnante Bilder aus einem Fundus von etwa 1000 ausgewählt. Diese bildeten den Rahmen für den Abend. 
Ein erstes Bild zeigt ein Doppelhaus in der Goethestraße 5 von Hoyerswerda, das er für die Familie Grothe in der Nachbarhälfte fotografisch genau malte, seine eigene Wohnung ist nicht im Bild. Die Geschichte dieses Gemäldes ist abenteuerlich, die Witwe von Max Grothe aus Kamenz schenkt es einem Freund, der in dem Haus auch sein Geburtshaus erkannte. 2004 kommt es als Schenkung ins Museum nach Hoyerswerda zurück. Maxim Shagaev stellt die ländliche Umgebung "an einem heißen Tag" und die Odysse des Bildes auf seinem Bajan in ein Zwiegespräch mit einer Humoreske von Antonín Dvorák. Die Zuhörer genießen diese ganz persönliche Intension aufmerksam und bezaubert, ebenso wie bei den weiteren Bildern. Das Stadtbild von Hoyerswerda gehört dazu, mit der markanten Johanneskirche, noch mit neugotischer Turmhaube vor der Zerstörung 1945, im Mittelpunkt drei Schornsteine, um alles eine schützende Hecke für die Häuser, ein Symbol für Glaube, Wirtschaft, Wohnen, interpretiert Uwe Jordan. Des weiteren ist eine Teichlandschaft der Oberlausitz zu sehen, die einen Spaziergang assoziiert. Das alles wird von Maxim Shagaev mit dem Bajan wiederholt, mit Glockengeläut, unruhigen atonalen Passagen der Industrie und wohltuenden Sphärenklängen eines Spaziergangs am Wasser. Nebenbei erfahren die Zuhörer viel Interessantes über das Bajan, ein Knopfakkordeon, das aus dem Bandoneon hervorgegangen ist und dass Stimmlagen als Akkordeon, Flöte, Kirchorgel und auch als Tutti ermöglicht, meisterliche Beherrschung vorausgesetzt, über diese verfügt der in Moskau geborene Maxim Shagaev ohne Zweifel in hohem Maß. 
Fast unbekannt weitere Bilder von Günter Peters, als Studien im Stil von Paul Klee, August Macke oder Franz Marc zu erkennen, und Modezeichnungen, die noch heute in ihrer einfachen Eleganz bestechen, musikalisch mit Fugen von Bach begleitet. Alexander Puschkarenko komponierte mit "Skythen des XX. Jahrhunderts" eine Musik, die dem Selbstbildnis von Günter Peters als Spiegelung in einem "leeren" Weinglas sehr nahe kommt und besonders passend gewählt erschien. 
Im zweiten Teil des Abends ist Maxim Shagaev gemeinsam mit dem Ausnahmetalent Andrej Ur zu hören, der in der Ukraine geboren wurde und seine Wurzeln in der ungarischen Musik hat, ein Teufelsgeiger par excellence. Gemeinsam reisten sie musikalisch rund um die Welt, spielten Vivaldi, ungarischen Csárdás, argentinischen Tango und Country-Musik, mit dem Publikum sang Maxim Shagaev russische Volkslieder. 
Die Ausnahmetalente auf Geige und Bajan machten den Abend zu einem außergewöhnlichen Festtag der Musik.

Stele für Günter Peters im Zoo Hoyerswerda, von Jürgen von Woyski

Maxim Shagaev, links, Andrej Ur Günter Peters, Stadtansicht Hoyerswerda Günter Peters, Selbstbildnis in einem Weinglas

 

 

 

 

 

 

 

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