"Die 40 Tage von Ossola" - ein Feature von Mirko Schwanitz

Erstellt: Freitag, 03. März 2017 Zuletzt aktualisiert: Montag, 06. März 2017 Geschrieben von Christine Neudeck

Ein kurzes Gefühl der Freiheit

Mirko Schwanitz - Redakteur, Moderator und Radiojournalist bei ARD, stellt beim Hoyerswerdaer Kunstverein sein Feature "Die 40 Tage von Ossola – eine vergessene Partisanenrepublik" vor.

Mirko Schwanitz bei seinem Vortrag über die vergessene Partisanenrepublik Ossala Mirko Schwanitz ist ein umtriebiger Journalist, der sich für das gegenseitige Verständnis der unterschiedlichsten Kulturen engagiert. Sein Metier sind Sprache und Literatur. Andere Bereiche, wie Musik, Tanz, Sport und Wissenschaft haben es da etwas leichter, da sie über eine internationale Sprache wie Notenzeichen und Normen, über Formeln und Latein kommunizieren. 
Mit der Sprache ist es weitaus schwieriger. Denn Literatur wird äußerst emotional in den unterschiedlichsten Muttersprachen reflektiert, individuell im Sprachgefühl und vielfältig vor dem Hintergrund sozialer und kultureller Lebensbedingungen. Zur Überwindung dieser Sprachbarrieren begleitet Mirko Schwanitz deshalb junge Schriftsteller, vorwiegend aus dem osteuropäischen Raum, bei ihren Lesungen durch Deutschland und macht neugierig auf ihre Kultur. Im Rahmen dieser Gesprächsreihen kommt er regelmäßig auch nach Hoyerswerda. 
Auf alle Lesungen bereitet sich Mirko Schwanitz akribisch vor, lernt die Vita der Autoren kennen und liest ihre Bücher sorgfältig, so dass an allen Abenden Sprache und Geist der Dichter sehr lebendig vermittelt werden. 
Dieses Mal jedoch machte er mit seinem ureigensten Metier bekannt, dem Radiojournalismus. Zu hören war sein Feature über die vergessene Partisanenrepublik Ossola in Italien. Keiner der Anwesenden hatte je von einer solchen gehört. 
Mirko Schwanitz als immerzu hellwacher Reporter hatte beim Wandern im italienischen Norden, nahe der Schweizer Grenze, Gedenksteine bemerkt, auf denen zu lesen war: Confine Repubblica Partigiana Dell' Ossala Settembre Ottobre 1944. Nach eingehenden Recherchen vor Ort wird eine ganz außergewöhnliche Geschichte lebendig, die nun Einer der Gedenksteine, die an die vergessene Partisanenrepublik Ossola erinnern. eindrucksvoll zu hören ist, ergänzt durch berührende Zeitzeugenaussagen. 
Mussolini war bereits seit 1922 der maßgebliche Mann im Königreich Italien und prägte einen faschistischen Führungsstil, was wiederum zur Bildung vieler Partisanenverbände führte, aber keine ist, im Nachhinein betrachtet, so demokratisch gewesen wie die von Ossola, keine aber auch so vergessen. Dell´Ossola war ein Volksstaat im wahrhaftigsten Sinn des Wortes. Denn es waren die verschiedensten Gesinnungen, die hier für ein besseres Italien sorgen wollten, Sozialisten, Christen, Kommunisten, Gewerkschaftler, ehemalige Offiziere und nicht zuletzt 82.000 Bewohner des Ossola-Tales. Prof. Ettore Tibaldi verkündet am 11. September 1944 die Partisanen-Republik Ossola. Allerdings war dieser Republik nur eine Dauer von 40 Tagen beschieden. Doch, was in diesen 40 Tagen geschah, ist unglaublich. Sie schufen sich für 40 Tage das Gefühl der Freiheit, indem sie sich gegen die deutschen Faschisten und gegen die im eigenen Land wehrten. Eine Verfassung wurde verkündet, die Schulen umstrukturiert, Verwaltung und Gerichtsbarkeit reformiert. Die Schweiz half mit Lebensmitteln und nahm 2.500 Kinder in ihrem Land auf, während die zugesagten Lieferungen der Alliierten mit Kriegsgerät ausblieben. Das Scheitern war somit vorprogrammiert, denn der Krieg dauerte auch in Italien noch bis in den Mai des Jahres 1945. Ein großer Teil der Partisanen wurde hingerichtet die restlichen und ein Teil der Bevölkerung des Ossola-Tales floh in die Schweiz. Der Rathaussaal in der Hauptstadt Domodossola erinnert in seiner historischen Ausstattung noch heute an den Geist dieser 40 Tage, ebenso das Museum „Casa della Resistenza" in dieser Stadt, die für die Zuhörer zu einem spannenden Reiseziel avancierte. 
Am 24. März 2017 wird Mirko Schwanitz den Berliner Schriftsteller Ingo Petz zu einer Lesung nach Hoyerswerda begleiten mit einem Buch über Belarus, das heutige Weißrussland.

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