Ingrid und Heinz-Dieter Tempel erinnern an George Bähr, den Erbauer der Frauenkirche in Dresden und an den Wiederaufbau

Erstellt: Montag, 05. Dezember 2016 Zuletzt aktualisiert: Montag, 05. Dezember 2016 Geschrieben von Martin Schmidt

Ein Meisterwerk der Baukunst – wiedererstanden

Ingrid Tempel und Heinz-Dieter Tempel mit einem Vortrag über George Bähr beim Hoyerswerdaer Kunstverein 2016 Dem farbigen Strauß der Vorträge zu den unterschiedlichsten Themen aus Bildender Kunst, Literatur und Sprache, Geschichte, Architektur und verschiedenster Technik geflochten, den der Kunstverein seit nunmehr einem halben Jahrhundert in unserer Stadt anbietet, fügen von Anfang an Mitglieder eigene wohlgestaltete und perfekte Beiträge hinzu. Wissen, Freude, Phantasie und Vergnügen am Teilen von Erkenntnissen bilden die Grundlage und führen – da aus beschriebener Haltung erwachsend – stets zu Gesprächen und Gedankenaustausch im Freundeskreis. Am letzten Tag im November schenkten Ingrid und Heinz-Dieter Tempel ihren Zuhörer, die trotz plötzlichem Schneefall in erfreulicher Anzahl erschienen waren, Einblick in eine ihre großen Lieben, der zum barocken Dresden. Mit der nahezu 1000jährigen Geschichte der „Kirche unserer lieben Frauen“, heute kurz Frauenkirche Dresden genannt, fesselten sie ihre Zuhörer, wussten viel Neues zu berichten, ohne sich in endlose Zahlen- und Datenfolgen zu verlieren. Kurz, gut nachvollziehbar schilderten sie den Weg von der Missionskirche, die im 11. Jh. für die Christianisierung der Sorben gebaut wurde, ehe etwa ein Jahrhundert später die Stadt Dresden entstand. Erweiterungen, Umbauten, andere Aufgaben folgten, z.B., war die Kirche länger als hundert Jahre nur eine Begräbniskirche, um die sich ein Friedhof bildete, der erst im18.Jahrhundert auf- und durch den Elias-Friedhof abgelöst wurde. Die Stadtgeschichte Dresdens ist voller Höhen und Tiefen, ehe die Räte der Stadt entschieden, die alte, inzwischen baufällige Kirche abzureißen und eine neue zu bauen. 1722 legt der Ratszimmermeister George Bähr seine Pläne für den Neubau vor, sie werden diskutiert, er muss immer neue Entwürfe liefern und setzt sich dann mit seinem Plan durch. Der Hof von Kurfürst August dem Starken war weitgehen ausgeschlossen, die Stadtkirche gehörte der Stadt Dresden und deren fast ausschließlich lutherisch-protestantischen Bevölkerung. Der Kurfürst August geriet unter eigene Zwänge - vor allem auch finanzielle -, denn inzwischen zum Katholizismus gewechselt, stand er in der Pflicht, eine katholische Hofkirche zu bauen. Dazu holte er italienische Bauleute. Die Stadt jedoch bevorzugte den sächsischen Landsmann George Bähr. Im Vortrag wurde auch auf reichlich Konkurrenz, Missgunst und Widerstand gegen Bähr hingewiesen. Dazu gehörte auch der immer wieder gestreute Zweifel, ob diese erste große Kuppelkirche in Deutschland, standfest genug sein würde. Dass George Bähr bereits zahlreiche Kirchen gebaut hatte, auch repräsentative Bürgerhäuser in Dresden, zeigten die Referenten unterstützt von Christine Neudeck mit zahlreichen Bildern. Für jedes Bauwerk fand George Bähr eine eigene imposante Lösung. Dies „rundete“ nicht nur den Vortrag, sondern zeigte Bauten, die in schwierigen, auch an Kriegen reichen Jahren errichtet wurden, während in einem der reichen Länder Europas heute nur immer von fehlendem Geld zu gehören ist, um die Bauten vergangener Zeiten und Meister zu erhalten. Das Ehepaar Tempel enthielt sich sowohl des Vorwurfs als auch des Urteils, ihnen lag die unersetzbare Kunst an Herzen. Manch Zuhörer äußerte später seine Zweifel daran, dass es gegenwärtig immer am fehlenden Geld läge, sondern vielmehr von fehlender Kunst, den gegenwärtigen Reichtum für die richtigen Aufgaben einzusetzen… So führte die hörenswerte, mit Daten und Bildern sorgsam und verlässlich umgehende Darstellung zum Wunsch manches Hörers, einmal wieder diese Kirche zu besuchen, die aus den Trümmern des zweiten Weltkrieges dank der Gebefreudigkeit von Menschen aus nahezu der gesamten Welt wiedererstand. Menschliche Phantasie, Energie, Fachwissen und Opferbereitschaft ließen in Dresden eine der Kirchen wiedererstehen, die seit Jahrhunderten zu den schönsten in Europa gezählt wird. Vergessen wir nicht, dass George Bähr, der Erbauer sein Werk nur vollenden konnte, in dem er sein Hab und Gut hineingab. Der Vielgerühmte starb 1738 als armer Mann. Fünf Jahre später 1743 wurde seine Kirche mit der Kuppel ganz aus Stein und 26 m Außendurchmesser geweiht. Der Wiederaufbau, der im Jahre 1990 auf den „Ruf aus Dresden“ hin erfolgte, dauerte 11 Jahre. Die alten von Bähr gesetzten Steine zeigen sich dunkel in der neuen Außenhaut, so fügt sich alte Kunst zu neuem Anblick. Ingrid und Heinz-Dieter Tempel sowie Christine Neudeck zeigten einige selten zu sehende Ansichten, die die Schönheit dieses Baus nachempfinden ließen. Es war ein Abend voller Wissen und Stimmung und eine Hommage für George Bähr. 

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