"Petzow - Villa der Worte“, Schriftsteller berichten vom Leben und Schreiben in Petzow

Erstellt: Mittwoch, 24. August 2016 Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 24. August 2016 Geschrieben von Martin Schmidt

Heiteres und Nachdenkliches der Literaturgeschichte dem Vergessen entrissen

Buch "Petzow - Villa der Worte vom Verlag für Berlin-Brandenburg Just zu Beginn des Sommers erschien das Buch „Petzow –Villa der Worte“, Verlag für Berlin-Brandenburg. Gesammelt von einem Team um Margred Bircken, der Präsidentin der Brigitte Reimann Gesellschaft, berichten mehr als fünfzig Schriftsteller vom Leben zwischen 1955 und 1990 indem einstigen Schriftstellerheim der DDR am Schwielowsee in der Nähe von Potsdam. Locker zusammengefügt sind Briefe, Auszüge aus Tagebüchern, Berichte von Begegnungen mit Georg Maurer, Fred und Maxie Wander, Leonhard Frank, Gedichte von Sarah und Rainer Kirsch sowie von Karl Mickel. Im Gästebuch danken und erinnern Arnold Zweig, Ludwig Renn, Reiner Kunze, Christa Wolf, Erwin Geschonnek an Bücher und deren Verfilmungen, die von jenen Jahren künden. Vor allem aber ermöglichte das Haus jüngeren Schriftstellern, in märkischer Landschaft und bei freundlicher Betreuung erste und auch für unsere Zeit wichtige Bücher zu schreiben bei gleichzeitigem Gedankenaustausch untereinander. Brigitte Reimann und Siegfried Pitschmann begegnen sich hier und heiraten wenig später in jenem „VEB Elfenbeinturm“, wie die Verfasserin der „Ankunft im Alltag“ das Haus später in Hoyerswerda nannte. Siegfried Pitschmann hält das Erleben Schwarze Pumpe in den Erzählungen „Die wunderliche Verlobung eines Karrenmannes“ fest, da sein Pumpe-Roman nicht erscheinen darf. Der junge Matthias Biskupek erlebt dort, wie Fred Wander vom Ringen um Leben gegen den Terror im KZ Buchenwald berichtet , dem späteren Roman „Der siebte Brunnen“ . Die Leipziger Literaturwissenschaftlerin Christel Hartinger tauscht sich mit Maxie Wander über Frauenschicksale aus, denen wir das Buch „Guten Morgen, Du Schöne“ verdanken, während die gebürtigen Wienerin das Drehbuch zu dem Dokumentarfilm „Eine Stadt wird geboren wie ein Kind“, der in Hoyerswerda entsteht, schreibt. Ende jener Epoche und Beginn einer neuen kennzeichnen in dem Buch die Berichte von Hermann Kant und Günter Grass zu dem Treffen 1988 von Vertretern der Schriftstellerverbände beider deutschen Staaten in Petzow. Volker Braun bleibt in Erinnerung ein gemeinsamer Spaziergang, bei dem bei Windstille ein herabstürzender Ast beinahe einen der Teilnehmer erschlagen hätte. Glücklicherweise durften sie gesund ihren Wegen folgen. „Villa Elfenbeinturm“ ging längerem Eigentumsstreit entgegen, jene anregenden Tage entriss dieses Buch dem Vergessen. 

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