Das Brigitte-Reimann-Jahr in Hoyerswerda II

Erstellt: Freitag, 31. Mai 2013 Zuletzt aktualisiert: Samstag, 26. Juli 2014 Geschrieben von Kunstverein

Einladung Veranstaltungen Einladung zur Einweihung "Die Große Liegende", Denkzeichen für Brigitte Reimann, am 21.07.2013 im Zentralpark von Hoyerswerda.

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Brigitte - Reimann - Jahr, was bisher geschah.

 Brigitte Reimann wurde am 21.07.1933 geboren und starb am 20.02.1973. Aus diesem Grund wird sie 2013 mit einem Reimann-Jahr gewürdigt. In diesem Video sind Briefe und Tagebuch-Eintragungen der Schriftstellerin zu hören, die sie in Burg, Hoyerswerda und Neubrandenburg schrieb, den Wohnorten ihres kurzen Lebens. Der Hoyerswerdaer Kunstverein sammelte aus Anlass des 40. Todestages und des 80. Geburtstages von Brigitte Reimann Spenden für ein "Denkzeichen", das im Juli 2013 im neuen Zentralpark von Hoyerswerda eingeweiht werden soll. Bildhauer Thomas Reimann aus Dresden gestaltet eine Skulptur, deren Entstehung interessiert verfolgt wird. Weitere Videos zum Thema

Saskia Walker sucht die Spuren der Sibirienreise von Brigitte Reimann 

Martin Schmidt
Saskia Walker „Komandirowka – alles war Zukunft“
Ein Abend des Erinnerns und Entdeckens schenkte am Donnerstag die Berliner Filmregisseurin Saskia Walker den Mitgliedern und Freunden des Hoyerswerdaer Kunstvereins im Hoyerswerdaer Schloss. Freundlich lächelnd wanderte sie geschickt – fast schien es, als nähme sie jeden Zuhörer bei der Hand, jung wie alt, und führte ihn durch fünfzig Jahre Filmgeschichte zurück und doch immer wieder zu eigenem Nachdenken über die Gegenwart. Ihre Studien führten sie von Paris nach Moskau, seit Jahrhunderten zwei der großen kulturellen Zentren Europas, und zurück nach Berlin. Dort schuf sie u.a. Filme zum Schriftsteller Uwe Johnson, dem Komponisten Alois Zimmermann, zu „Eva von Autun“ und den Dokumentarfilm „Osterwasser“ – einem Thema, das unserer Region vertraut ist. Seit einigen Jahren sammelt sie nun Material zu einem Film „Komandirowka. alles war Zukunft“.
Dieses russische Wort bedeutet einfach Dienstreise. Zu einer solchen durfte im Juni 1964 die Schriftstellerin Brigitte Reimann aus Hoyerswerda aufbrechen, um nach zwanzig Tagen Reisen über tausende Kilometer durch die Weiten der Sowjetunion wieder in unserer Stadt zu landen. Dann galt für sie der Auftrag, in wenigen Tagen eine Reportage der Zeitung Sonntag zu liefern. Daraus wurde wenig später das Buch „Das grüne Licht der Steppen“, Bis heute wird es immer wieder aufgelegt und gern gelesen. Es schildert unmittelbar, stark beeindruckt, durchaus kritisch zur Architektur, mit größter Zuneigung zu den Menschen, denen die Delegation begegnete.
Diesen Spuren und Berichten ging die junge Frau nach, sie erzählte von der Suche nach Partnern, mit denen Brigitte Reimann vor nahezu 50 Jahren gesprochen hatte. Ihre Sprachkenntnis und ihre einstigen Studienfreunde bahnten ihr den Weg zu der weltweit bekannten Schauspielerin Tatjana Samoilowa und zu Alexeij Martschuk, einem Ingenieur, Erbauer von Staudämmen in Sibirien, aber auch Sänger, von dem ein Lied kündete „Martschuk spielt Gitarre.“ Letzterer konnte sich an die deutsche Schriftstellerin, die ihn bewunderte, noch erinnern. Saskia Walker zeigte Fotos von beiden, zu Tatjana Samoilwa als junge Frau stellte sie eines von Brigitte Reimann. Die Ähnlichkeit beider, auf die Brigitte Reimann sehr stolz war, frappierte auch diesmal die Betrachter. Die älteren Besucher erinnerten sich sofort an den Antikriegsfilm „Wenn die Kraniche ziehen“, der rund um den Erdball Menschen beeindruckte und mit seiner Botschaft begeisterte. Die Hauptrolle hatte die junge Schauspielerin Tatjana Samoilowa gespielt. Dann zeigte Saskia die alte Dame im Gespräch und die Jahre waren vergessen. Ebenso ging es mit Alexeij Martschuk, der seinen erfolgreichen Weg fortgesetzt hatte. Beide wären bereit, vor der Kamera vom einst und jetzt zu erzählen. Welch Brücke der Kultur und des Friedenswillens würde sich dabei bilden lassen!
Die Dokumentaristin malte vom heutigen Rußland kein Idealbild, sie malte aber auch nicht schwarz, sondern warb für ein ehrliches Miteinander von Ost und West. Europa gehört zusammen. Dieser Wille beflügelt auch ihre Suche und ihre Berichte. Ein lebhaftes Gespräch entspann sich mit den Zuhörern. Einige trugen Erinnerungen zusammen, andere ließen das Leben heute beschreiben. Da wurden die Schönheiten bewundert und die Aufgaben deutlich, die beide Völker zu bewältigen haben. Die Riesenaufgaben wurden ebenso wenig verschwiegen wie jene Arbeiten, die die Länder einst gemeinsam gelöst haben. Vorurteile sind abzubauen und Sprachkenntnisse zu nutzen. Die leider oft verkannte Brücke der Kultur zwischen den Völkern zeigte sich tragfähig.
 Nachdenklich ging mancher nach Hause, als er die Antwort der Filmförderung auf die Frage, ob sie einen solchen Film mittragen würde, hörte: „Das interessiert in Deutschland keinen Menschen“. Darüber nachzusinnen, ob sie auf Arroganz, mangelndem Wissen oder Dummheit beruht, lohnt sich nicht. Letztere sei unendlich, sagte Albert Einstein. Es gilt Weg zum Zueinander zu finden. Verwaltungen und Ämter haben zu helfen und nicht zu dirigieren und zu verhindern. Dieses Land ist lebendiger als an manchen gut dotierten Schreibtischen überhaupt geahnt wird.

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