TU Dresden will Autoren aus Sachsen und Böhmen bekannter machen

Erstellt: Dienstag, 12. Februar 2019 Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 13. Februar 2019 Geschrieben von Katrin Demczenko

TU Dresden will Autoren aus Sachsen und Böhmen bekannter machen

Vor dem ehemaligen Wohnhaus von Brigitte Reimann und Siegfried Pitschmann in Hoyerswerda, v.l. Fernande Stein, Martin Schmidt, Viktor Hoffmann, Birte Pietsch. Schriftsteller begleiten zu jeder Zeit mit ihren Texten Veränderungen in den Regionen, in denen sie leben oder sie entwickeln Visionen für deren Zukunft. So ist das auch in Sachsen, der Lausitz und Böhmen, wo über Jahrhunderte ein literarischer Schatz entstanden ist. Dazu gehören unter anderem die Bücher von Brigitte Reimann, Siegfried Pitschmann und das Werk des Rockpoeten Gerhard Gundermann. Deshalb waren kürzlich drei Mitarbeiter des MitteleuropaZentrums (MeZ) für Staats-, Wirtschafts- und Kulturwissenschaften der Technischen Universität Dresden in Hoyerswerda. Am Projekt beteiligt sind auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden sowie die Technische Universität Liberec, sagte MeZ-Mitarbeiter Viktor Hoffmann in der Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte. Geldgeber für die insgesamt 15 Mitarbeiter und die Sachaufwendungen ist der EU. Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, genauer das Kooperationsprogramm Sachsen - Tschechische Republik 2014-2020
Geschaffen wird ein Literarisches Informationssystem (LIS), das heißt eine interaktive, digitale Landkarte, auf der Denkmale, Gedenktafeln, Begegnungsstätten und einschlägige Museen in Geburts-, Lebens- und Schaffensorten der Autoren zu finden sind, erklärte Birte Pietsch. Diese werden mit Daten zu den Personen und ihren Werken auf deutsch und tschechisch hinterlegt. Sie erzählte von einer Exkursion nach Böhmen bei der sie unter anderem erfuhr, dass der dänische Dichter Karl Gjellerup dort Texte geschrieben hat. Der in Dresden geborene Volker Braun hat vor seinem Literaturstudium im Tagebau Burghammer gearbeitet und darüber das Buch "Kipper Paul Bauch" verfasst. Je 50, auch unbekanntere Autoren, die in Sachsen und Böhmen tätig waren oder sind, bilden den Grundstock des LIS, an deren Erweiterung sich nach der Freigabe Ende 2019 Nutzer beteiligen können. Zielgruppen sind Touristen, Studenten, Schüler und ihre Lehrer, die dadurch mehr vom kulturellen Reichtum der Grenzregion erfahren, so Birte Pietsch. Das MeZ will im Sommer mit Lehramtstudenten für Germanistik in Dresden ein Seminar zum digitalen Lernen und zur Nutzung außerschulischer Lernorte durchführen. Dabei wird Lehrmaterial zu einzelnen, auf der Karte verzeichneten Schaffensorten der Autoren erarbeitet, sagte die MeZ-Mitarbeiterin. Vor allem sollen Pädagogen später leichter fachübergreifende Schülerexkursionen vorbereiten können, die die Identifikation der Jugend mit ihrer Heimat verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, werden auch dem Landesamt für Schule und Bildung Sachsen entsprechende Lehrerfortbildungen angeboten.
In der Begegnungsstätte erzählten der Vorsitzende des Hoyerswerdaer Kunstvereins Martin Schmidt und seine Frau Helene von Brigitte Reimann und Siegfried Pitschmann, die den Aufbau der Neustadt und des Kombinates Schwarze Pumpe in den 1960er Jahren miterlebt haben und darüber ihre Bücher schrieben. Als Martin Schmidt vom Parabelring-Projekt des Kunstvereins aus dem Jahr 2011 sprach, in dem 350 deutsche und sorbische Autoren der Lausitz und ihr Schaffen zusammengetragen sind, freute sich Birte Pietsch mit den Worten: "Das ist ja Gold wert." Wer auf der Landkarte Hoyerswerda aufruft, wird Fotos der Gedenktafeln an das Ehepaar Reimann/Pitschmann in der Liselotte-Hermann-Straße 20, an Gerhard Gundermann am Jugendklubhaus Ossi und die Große Liegende finden, versprach die Fotografin des Projektes Fernande Stein.

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