Uwe Jordan will Bücher vor dem Vergessen bewahren

Erstellt: Donnerstag, 09. Februar 2017 Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 12. Februar 2017 Geschrieben von Christine Neudeck

Eine Plattform für vergessene Bücher

Uwe Jordan mit seinem erklärten Lieblingsbuch  "Der gestreifte Kater und die Schwalbe Sinhá" von Jorge Amado. Uwe Jordan - Warum er Bücher vor dem Vergessen bewahren will.

Schreiben und Lesen als die Haupt-Form von Leben zu wählen, erscheint auf den ersten Blick etwas trist und wenig Action versprechend. Doch wenn man näher hinsieht und Uwe Jordan zu dem befragt, was ihn anreibt, öffnen sich weite Räume, in denen Geschichtliches und Zukunftsvisionen aus Büchern sein gegenwärtigem Leben komplettieren. Da frei nach Hölderlin nur das bleibt, was die Dichter stiften, ist er von Kind an fasziniert, was diese so zu bieten haben.
Aufgewachsen in einer Familie, die Bücher liest und Bücher verschenkt, wird ihm das Schreiben zum Berufswunsch, er wird Journalist. Er verhehlt auch nicht, dass er neben der Literatur Fußball liebt, viele Nuancen von Musik und alte fahrbare Untersätze. Auch einem guten Essen ist er nicht abgeneigt, was man kürzlich in seinem Bericht über die Gourmet-Speisen der Gaststätte "Westphalenhof" lesen konnte.
Als Journalist bei der Sächsischen Zeitung, Hoyerswerdaer Tageblatt erwartet man von ihm Kommentare zum Tagesgeschehen, wie ja der Titel des Blattes vermuten lässt. Doch auch hier kann er seine Faszination an Literatur nicht verleugnen, wenn er versucht, dem prosaisch-sachlichen Bericht über Fußball oder Oldtimer etwas Poesie unter zu mischen, wie es der Leser der Sächsischen Zeitung seit Jahren erlebt oder besser "erliest".
Doch zurück zu seiner Ambition, der Literatur, die er nun seit vielen Jahren an Abenden beim Hoyerswerdaer Kunstverein im wahrsten Sinn des Wortes beleuchtet, indem er Bücher aus aller Welt und aus allen Jahrhunderten wieder ans Licht und damit ins Bewusstsein der Zuhörenden holt.
Anlass für seine Lesereihe war, dass er lange Zeit die Kamingespräche des Kunstvereins rezensierte, die er stets als anregend empfand, die ihm neue interessante Fenster öffneten, aber sie brachten nie seine Lieblingsbücher zu Gehör. So war es folgerichtig, dass er selbst aktiv wurde. "Ja wer, wenn nicht du selber, soll denn diese Bücher vorstellen? "
Seit 2013 ist er nun regelmäßig selbst der Referent beim Kunstverein und gibt den Zauber von Literatur weiter. Er erinnerte an den englischen Dichter und Philosophen John Milton und seine vor 400 Jahren geschriebenen noch immer aktuellen Verse zu Krieg und Tragik in der Geschichte der Menschheit, ebenso aber auch an den chinesischen Nobelpreisträger Mo Yan, der vom heutigen China erzählt und bis weit an die Grenzen des Sagbaren geht, wenn er von Gewalt und Psychoterror erzählt, die Menschen einander teils aus Überzeugung, teils aus Freude am Quälen antun. Nicht alle Zuhörer verstehen solche Bücher als Literatur, doch laut Uwe Jordan erzählen sie schlicht nur über unser Leben. Das trifft höchst aktuell auch auf den französischen Dichter Jean Raspail zu, der schon vor 40 Jahren in seinem Roman "Das Heerlager der Heiligen" die selbst ernannten, selbstgerechten Heiligen antreten lässt gegen Ströme halb Verhungerter aus kolonial ausgebeuteten Ländern.
Doch auch die lyrisch- heitere Seite kommt nicht zu kurz, wenn Geoffrey Chaucers „Canterbury-Erzählungen“, geschrieben im 14. Jahrhundert, vorgetragen werden oder die Märchen von Alexander Wolkow und Lyman Frank Baum, in denen ein Mädchen mit dem Zauberer von Smaragdenstadt oder dem Zauberer von Oz phantastische Abenteuer erlebt. Einen wunderbar anrührenden Eindruck hinterließ auch die Geschichte "Der gestreifte Kater und die Schwalbe Sinhá" von Jorge Amado.
Uwe Jordan beherrscht nicht nur das richtige Verstehen der oft verschlüsselten Texte eigenwilliger Dichter, er kann sie auch Theater gerecht vortragen.
Zu erleben ist er das nächste Mal am Donnerstag, dem 09. Februar 2017, 19:00 Uhr im Schloss Hoyerswerda mit den "Sternstunden der Menschheit", geschrieben von Stefan Zweig, einem Dichter, der laut Uwe Jordan die deutsche Sprache beherrscht hat, wie kein zweiter vor und nach ihm.
Mit freundlicher Genehmigung von Sächsische Zeitung, Hoyerswerdaer Tageblatt.

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