Eine Lehrer-Serie der Sächsischen Rundschau: Silvia Lohr, ehemalige Unterstufenlehrerin aus Weißkollm

Erstellt: Freitag, 13. Mai 2016 Zuletzt aktualisiert: Freitag, 13. Mai 2016 Geschrieben von Katrin Demczenko

Leben will gestaltet sein

Silvia Lohr Heimatverbunden ist die ehemalige Unterstufenlehrerin Silvia Lohr, die auch Russisch und Geografie in den Klassenstufen 5 bis 7 unterrichtet hat. In Lohsa ist sie geboren, hat von 1964 bis 2004 an der Schule Weißkollm gearbeitet und lebt jetzt als Seniorin in der Nähe dieses leider nicht mehr genutzten Gebäudes. Hinzuzufügen ist, dass sie während der DDR-Zeit vier Jahre lang mit Mann und Kindern in Rumänien gelebt und dort unterrichtet hat.
Silvia Lohrs Engagement für Kinder ging immer über das Vermitteln von Schulwissen hinaus, denn sie hat mit ihnen den Weißkollmer Schulgarten ansprechend gestaltet und Wettbewerbe gewonnen. Heute bepflanzt und pflegt sie jedes Jahr die Rabatte vor ihrem Wohnhaus. Früher hat die Lehrerin auch Schüler auf die Teilnahme an Festen der Jungen Talente am Pionierhaus Hoyerswerda vorbereitet und eine Schultheatergruppe geleitet. Als Seniorin stand Silvia Lohr selbst mehrere Jahre lang als Mitglied der Weißkollmer Laienspielgruppe vom Verein "Vier Jahreszeiten" auf der Bühne.
Ihre Zuwendung zur deutschen Sprache und Literatur ist aber weit umfangreicher. Seit April 2015 ist sie Mitglied des Hoyerswerdaer Kunstvereins, besucht fast alle Veranstaltungen und liest entweder davor oder danach die vorgestellten Werke der Weltliteratur. Das Buch "Der gestreifte Kater oder die Schwalbe Sinha" von Jorge Amado, das im Juni im Mittelpunkt einer Veranstaltung stehen wird, hat die 71jährige zu Hause. Andere Literatur bekommt sie in Bibliotheken der Umgebung. "Mein Lieblingsleseplatz ist bei gutem Wetter der Balkon", erzählte Silvia Lohr, die im Februar 2015 von der Lesung des Schriftstellers Jürgen Israel über seinen Aufenthalt in Rumänien ins Hoyerswerdaer Schloss gelockt worden ist. Die Gemeinschaft im Kunstverein und die Kontakte zu den niederländischen Freunden will sie jedenfalls nicht mehr missen.
Ein weiteres wichtiges Hobby der Seniorin, das heute fast niemand mehr betreibt, ist das Briefe schreiben. Da sie keinen Computer und kein Internet besitzt, nimmt sie wie früher üblich Briefpapier zu Hand und schreibt an ihre Schwester, ihre beiden Töchter und an Freunde in Deutschland und aller Welt. Begonnen hat diese Leidenschaft in Silvia Lohrs Schulzeit, als sie insgesamt acht Briefpartner in fünf Ländern hatte, denen sie auf Deutsch und Russisch aus ihrem Leben erzählte. Während der Zeit in Rumänien, als ihr Mann auf einer internationalen Baustelle tätig war, entstanden Brieffreundschaften nach Ungarn und Österreich, die heute noch bestehen. Eine besondere Brieffreundin ist aber für die ehemalige Lehrerin eine ihrer Schülerinnen, die heute selbst Familie hat und in Finnland lebt. Um Briefkontakte über lange Zeit lebendig zu halten, gehört natürlich dazu, die Freunde zu Hause zu besuchen oder sie in Weißkollm zu empfangen, sagte Silvia Lohr. Zweimal im Jahr organisiert sie auch mit ehemaligen Lehrerkollegen Ausflüge, um diese Kotakte zu pflegen.
Aber ohne regelmäßiges Radeln oder Laufen könnte sich die Seniorin ihren Alltag nicht vorstellen. Lohsa heißt dabei ihr tägliches Ziel, weil dort Verwandte und Freunde wohnen. Wenn viel Zeit ist, besucht sie den Dreiweiberner oder den Scheibe-See und immer will sie die frische Luft und die Natur genießen. "Nur Glatteis oder Gewitter können mich davon abhalten", erklärte die vielseitig beschäftigte, lebensbejahende Frau.

Mit freundlicher Genehmigung von Sächsische Rundschau, Hoyerswerdaer Tageblatt

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