Konzertreihe sorbischer und mecklenburg-vorpommerscher Komponisten

Erstellt: Dienstag, 12. April 2016 Zuletzt aktualisiert: Freitag, 29. April 2016 Geschrieben von Chrysta Meškankowa

„…nichts Neues mehr?“

Nichts Neues mehr im gemeinsamen Projekt der sorbischen und Mecklenburg-Vorpommerschen Komponisten? Natürlich, doch. Denn die ersten drei Konzertreihen, gefördert vom Deutschen Komponistenverband, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Stiftung für das sorbische Volk und anderen waren nicht nur erfolgreich, sie erwiesen sich gleichzeitig als langfristig wirkend.
Im Herbst des vergangenen Jahres wurde die vierte Serie in Rostock und Greifswald eröffnet. Am Sonnabend der vergangenen Woche kam es zum ersten Lausitzet Konzert im Hoyerswerdaer Schloß. Der dortige agile Kulturschaffende Martin Schmidt war sichtlich ergriffen wie viel Potential es bei den sorbischen Musikern gibt und welch hohes Niveau die verschiedenen Richtungen artifizieller Musik sie vertreten. Kompetente Interpreten „Neuer Musik“ waren Christina Noe und Peter Manfred Wolf am Klavier und Andreas Wehrenfennig an der Harfe. Besonders beglückend war es, Malte Hübner mit der Violine aber gleichzeitig auch die Große sorbische Geige verliebt zu erleben, wo er die Maßstäbe setzte. Respekt gebührt gleichzeitig den Sängerinnen Esther Wiegel und Nicole Nevries für den richtigen Interpretationsduktus der nicht leichten Vorlagen. Der erste Teil des Konzertes war eine Rückschau auf die bisherige Zusammenarbeit. Das Musikstück „Požedanje – Sehnsucht“ hatte Detlef Kobjela auf die Lyrik von Mina Witkojc komponiert. Die niedersorbische Liedversion mit Klavierbegleitung bildete eher einen sanften Konzertbeginn, ergab sich letztlich als Rahmen der Veranstaltung in der deutschen Übersetzung von Elke Nagel. Auf die Gedichte von Jan Kosk wurde vom selbigen Komponisten das Musikstück „Ranši spew“ vorgestellt.
Hinc Roy, der Nestor sorbischer Komponisten, war mit seinem Werk „Fantasia sorabica“ für Violine und Klavier vertreten. Er bezieht sich hier ausdrücklich auf sorbische Volksmusikvorgaben. Wie ein Echo wirkten auf diese Werke die Kompositionen von Christian FP Kram, Birger Petersen, Jochen A. Modeß wie auch von Peter Manfred Wolf, denn sie sind unterschiedlich mit der Mecklenburg-Vorpommerschen Musiklandschaft verbunden. Die erste von insgesamt fünf Premieren des Abends war die leidenschaftliche und gleichzeitig ergreifende Collage von Birger Petersen „Nach Norden (Südliche Tage“ für Alt, Violine und Klavier, in der auf den Text der Lübecker Lyrikerin Suanne Hennemann die Sehnsucht nach der Ferne besungen wird – eigentlich Inhalt einer Konzertserie. Unterstrichen wurde dies im Programm dann durch das Lied von Juro Metšk mit dem Untertitel „ Gaby ja ksidla mel“ auf einen Text seines Vaters Frido Metšk. Das Violinsolo aus der Feder von Jan Cyž mit dem Titel „ malk – desiderio dello latanaza“ weist auf die freundschaftliche Beziehung des Bautzener Komponisten zum, Rostocker Kollegen Malte Hübner hin. Er war als Komponist mit drei Liedern zu Gedichttexten von Kito Lorenz vertreten. Seinen Bezug zu den Sorben drückte er anschaulich mit dem „Quartett für Große sorbische Geige und Violine aus“, wobei er ein klassisches Instrument auf originelle Weise mit einem volkstümlichen vorstellt. Seinem neuesten Werk „Spew za serbske husle“ stellt der Interpret das Musikstück gegenüber, welches Juro Metšk für seinen Kollegen geschrieben hat: „Modell X - studija za stjeceho huslerja“. Es war interessant, wie die verschiedenen Ausgangspunkte der Musikschaffenden Auf die Zuschauer wirkten. Gleich Jan Cyž, der sein „memento“ erst im vorigen Jahr für seinen Rostocker Kollegen komponierte, schrieb auch der Vorsitzende des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern in Deutschen Komponistenverband, der Pianist Peter Manfred Wolf, unter dem Titel „Sonar“ ein neues Musikstück zur Premiere für dieses Vierte gemeinsame Projekt, welches er als große Anerkennung Malte Hübner widmete. Als sehr anerkannter Musiker weiß gerade Hübner mit seiner Verbundenheit und Freundlichkeit Brücken zwischen den Kollegen als auch zwischen musikalischen Landschaften zu bauen. 

(Ins Deutsche übersetzt von Brigitte Schramm. Veröffentlicht in „Serbske Nowiny“ vom 13.04.2016 S.3

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